Heisse Quellen, ein Wasserfall und das verlassene Dorf

oder ein Ausflug in die weitläufigen Berge….

9.4.


Und da rollen sie wieder heran, die Wellen mit ihrem kleinen Schaumkrönchen. Die Sonne beleuchtet sie und mich von hinten. Der Morgen ist wieder da und ich stehe am Strand von Zeytinköy, etwas hinterhalb auf festem Grasboden. Noch ist es still um mich herum. Die vielen Autos von gestern sind verschwunden, die Menschleins haben in ihren Häusern geschlafen. Drei oder vier Womos stehen weit verteilt. Weiter vorne vielleicht noch mehr. Ein begehrter Strand für Touris und Locals.

 

 

 

 

 

Gestern war Fastenbrechen vom Ramadan angesagt und Familien mit Kind und Kegeln bzw. großen Körben mit Brot und sonstigem schwärmten aus, um an schönen Plätz zu picknicken. Das volle Leben hat sie wieder. Nun darf wieder nach Lust und Laune geschlemmt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Meiner erster Halt gestern,- ein altes Haman bei natürlich heißen Quellen. Diesmal ist das Wasser wirklich heiß und der Dampf verteilt sich malerisch über den gelben Steinen. Blaugrün plätschert es aus den Bergen. Das Haman selber ein dunkler Raum, einer für die Frauen und der ist leer, aus dem anderen höre ich die Männer palavern. Ich strolche umeinander und laß die Szenerie auf mich wirken, schwelge selber in diesen Farben. Ich könnte ins heiße Wasser steigen, aber in diesem dunklen Raum mit dem Bassin und draußen leuchten die Farben in der Sonne,- da bleibe ich doch lieber da.

 

 

 

 

 

Nächster Halt eine alte osmanische Brücke. Mein Kopfkino malt mir diese gebogene Steinbrücke aus, die sich über den Fluß spannt. Eselskarren klappern über alte Steine und von weiten hört man den heiseren Ruf des Muezins. Kopfkino! In Wirklichkeit steht nur noch ein kleiner Steinpfeiler da, kaum zu entdecken. Es war mal eine Brücke ….

 

 

 

 

 

Meine Fahrt geht weiter Richtung grüner Berge durch kleine schmale Ortschaften. Rechst und links haben die Händler ihre Waren ausgebreitet. Bazarfeeling. Ich möchte zum Wasserfall Degirmendere Selalesi. Google Maps warnt, das er geschlossen ist. Wie kann man denn einen Wasserfall schließen, frage ich mich. Da muß ich doch mal gucken. Und siehe da, ein großes Tor an der Einfahrtsstraße bewacht von einem Menschlein. Mit dem „Übersetzer“ verständigt man sich. Zum Wasserfall gehts links hoch drei Kilometer und ich darf durchfahren. Über eine gute Piste gehts hinauf. Oben stehen schon ein paar Autos und der Wasserfall ist fest Picknicks Hand. Wahrscheinlich eine Großfamilie, die sich hier aufgebaut hat mit Tisch und Stühlen um das Ende von Ramadan zu feiern. Kinder plärren umeinander und jeder darf mal gucken. Der Wasserfall selber nicht sehr spektakulär, aber immerhin.

 

 

 

 

 

Dieses selbstverständliche Lächeln, das ich von Marokko her gewohnt bin, ist hier nicht so. Die Mentalität ist anders. Man wundert sich vielleicht, dass ich als Frau alleine daher komme, denke ich mir. Wenn ich dann näher dran bin, tauscht man schon ein freundliches Merhaba aus, aber es ist sehr viel zurückhaltender. Nur die jungen Burschen rufen mir ihr irgendwie freches Hello entgegen. So empfinde ich es.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und noch ein Schmankerl steht auf meiner Anguckliste. Ein verlassenes altes Dorf in den Bergen,- Karacadag. Ich rumpel über Bergpiste hinauf und hinunter. In einer größeren Lichtung zieren Reste der Steinmauern das Gelände. Die Steine sind zwar nicht uralt aus vorchristlichen Zeiten aber sie erzählen von einem kargen hartem Leben. Im Winter kalt und im Sommer staut sich die Hitze in dem „Kessel“. Ein altes Dorf weit ab von irgendwo.

 

 

 

 

Aber auch hier ziehen langsam neue Bewohner her. Kleine Ferienhäuschen am Hang oder eine kleine Schaf- oder Ziegenfarm. In der Ferne höre ich die Glöckchen läuten. Ein bißchen zwischen den alten Steinen geklettert, den Friedhof besucht und dann rolle ich die gleiche Straße wieder zurück. Der Picknickplatz am Stausee ist auch schon gut bewohnt und die jungen Burschen brettern mit ihren Mopeds die Wege entlang.

 

 

 

 

 

Genug gesehen für heute und so baue ich mich am Strand auf und laß den Tag ausklingen.