Auf den Stufen zur Endlosigkeit

oder einsame Klöster auf fast unerreichbaren Gipfeln bei Kalambaka

 

4.und 5.Oktober

Treppen, Stufen und verschlungene Pfade führen hinauf zu den einsamen Berggipfeln, auf denen die Mönche ihren Weg zur Unendlichkeit betraten. Damals in den alten Zeiten mußten sie wirklich mühselig einen Weg hinauf in ihre Klause finden, die am Beginn vielleicht nicht mehr als wie eine Höhle war, in der sie sich zurückzogen. Die Welt konnte sie nicht mehr erreichen und sie die Welt nur auf ihren versteckten Pfaden. Unabgelenkt folgten sie ihrem geistigen Weg, ihrer spirituellen Bestimmung; lauschten auf das was nicht zu hören ist, folgten dem, was nicht zu sehen ist und vertieften sich in ihr innerstes Heiligtum.

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute ist es anders: Die Klöster sind komfortabel eingerichtet, eine Aufzug hilft das Lebensnotwendige nach oben zu transportieren. In alten Zeiten kuschelten sich die Mönche in ein geflochtenes Netz. Über eine Kurbel, angetrieben von Mönchen, ging es frei schwebend hinauf in ihr Zuhause.

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute kommen Busse, Autos und Womos die große Straße hinaufgerollt. Über sichere Stufen in anständiger Bekleidung krabbelt man hinauf in das Heiligtum. Ein ewiger Strom an Besuchern, die in die dunkle, gold schimmernde Kirche drängen, mit ihren Fresken und Malereien. Es riecht nach Weihrauch und der Gesang der Mönche begleitet uns im Hintergrund.

Ein Museum erzählt aus alten Zeiten. Bilder werden wach und das Leben dieser Suchenden wird für einen Moment lebendig. Wer waren sie, dass sie hier heraufkamen, um den Sinn des Lebens zu finden? Was erhofften und erwünschten sie sich hier oben in der Einsamkeit, der Einfachheit einer ursprünglichen Klause? Das Leben geprägt von Wasser holen und Holz sammeln, der Geist geprägt von der Stille, dem Gebet und dem immerwährenden Ritual oder ????

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was erwünschen und erhoffen sie sich heute in ihrer bequemeren Klause, in der das weltliche Leben tagtäglich in Form der Besucher Einzug hält? Selbst Coronal hat hier seinen Platz mit Maskenpflicht und Desinfektionsflaschen. Wieviel Platz bleibt für Rituale und ihr Leben, das sie ihrem Gott geweiht haben? Wieviel Lärm der normalen Welt verträgt so ein Kirchlein auf der Bergspitze? Wieviel Stille und Kontemplation ist möglich in diesem unruhigen Gewusel.

 

 

 

 

Nachmittags um drei oder vier ist Schluß. Für 18 Stunden kehrt Ruhe ein und die Mönche können ihrer wirklichen Passion Raum geben. Sie können sich einlassen auf ihre Welt, in der sie immer tiefer in die Geheimnisse eindringen, so stelle ich es mir vor. Die Mühsal des Überlebens ist gewichen und die moderne Welt hat auch auf der hohen Bergspitze Einzug gehalten. Fluch oder Segen, keine Ahnung.

Die Welt dreht sich weiter und weiter und auch die Formen des Mönchstum drehen sich weiter, passen sich an neue Notwendigkeiten an. Was bleibt so stelle ich es mir vor ist die Suche nach tiefstinnerlicher Erfüllung. Für die einen heißt es Gott, für andere Buddha, für andere Allah oder einfach das Eine.
Vielleicht ist es aber auch das ganz Andere?

 

 

 

 

Nach einem gemütlichen Kaffee auf einem Ausguckfelsen rolle ich durch wunderschöne Berglandschaft zu einem türkisblauen See. Brummeli rumpelt den Pfad hinunter. Hier bleibe ich. Ich liebe diese Landschaft aus braun-beige-roten Grasbergen mit türkisblauem See. Kitschiger könnte es fast nicht sein.

 

 

 

 

Tags zuvor hatte ich unweit der Klöster einen wunderbaren Abseitsplatz, fernab vom Rummel und Gewusel, fernab von Lärm und Geschwätz. Ein Motorradfahrer rumpelt noch die Piste entlang, dann breitet sich die Stille der Natur über mir aus und die Kühle der Nacht läßt mich tiefer in meine Decken kuscheln. Ich bin in den Bergen und da wird es nachts schon kühl. Morgens wieder herrlicher Sonnenschein!

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