Der Stausee bei Idanho

oder Rückzug nach Portugal und endlich wieder Schreibmodus…

Ende Oktober

Früh genug habe ich den Absprung geschafft, bin wieder raus aus Deutschland und sitze mittlerweile an einem wuiderbaren Stausee im Norden Portugals. An den Grenzen war keiner! Das Leben in Portugal ist ein bißchen ruhiger, auch wenn es hier Beschränkungen gibt, die aber mit ein Stück mehr Gelassenheit durchgesetzt werden.

So ist über Allerheiligen angesagt in seinem regionalen Bereich zu bleiben. Das gilt zwar nicht für Touristen, trotzdem ich bleibe die Tage hier. Eine kleine deutsche Enklave hat sich versammelt. Am Ende vom See lebt Sepp schon seit vierzig Jahren auf seiner kleinen Finca. Der Fußweg zu ihm ist überschwemmt und man watet durch den Fluß oder kraxelt über die Steine.

 

 

 

 

Ulrike kommt seit Jahren her und nimmt mich mit. Eine kleine quirlige Frau, liebenswürdig ehrlich. Wir ratschen über dies und das. Gisela, aus dem Womo-Film ist auch da. Sie hat ein bißchen Mälesche mit ihrem Auto und ist seit April hier und kann auf Seeps Grundstück stehen.
Sie hilft ihm, wo sie kann, denn er läßt nun seine Hüfte operieren. Pferde, Schafe, Hühner, Pfauen und Bienen verteilem sich über das Grundstück und die strahlenden Augen von Sepp zeigen, dass er sein Leben in Selbstbestimmung gefunden hat. Auch er muß mit den Widrigkeiten des Lebens umgehen, nicht nur die rein praktischen, sondern auch die nachbarschaftlichen. Wasserreserven müssen gefüllt sein, Tiere versorgt und alles für den Winter vorbereitet. Ob er im Winter friere, frage ich ihn. Nein sagt er, abgehärtet, wenn man nicht frieren will, friert man nicht. Zur Not baut man sich bei Schnee eine Höhle und ich denke an die Iglus der Eskimos. Ja, da hat sich jemand total auf die Natur eingelassen und lebt mit ihr. Widrigkeiten sind für ihn Herausforderungen, die das Leben ihm stellt.

 

 

 

 

Neben Ulrike gibt es noch Irmgard. Die beiden haben sich mal in Sagres kennen gelernt. Mit ihrem Bus ist sie unterwegs in ihrem Sabbatjahr. Sie hat sich so wenig wie möglich von Corona ausbremsen lassen. War im Sommer in Griechenland und bewußt auf Campingplätzen, die leer waren Wenn man die Armut der Menschen dort sieht, möchte man einfach das sie etwas verdienen. Gemütlich trinken wir abends ein Glaserl Vino vor meinem Brumm, bevor sie weiterzieht zu Ulrike, die vielleicht 200m entfernt von mir steht.

Klaus und Carsten waren die ersten hier, mit denen ich geratscht hatte. Beim Ankommen entdecke ich sie und baue mich entsprechend weiter weg auf. Wer hier an den See kommt, will sein „eigenes Plätzchen“. Natürlich, aber nicht nur, ist Corona ein Thema und alle hinterfragen, nehmen nicht nur einfach hin, haben dann aber auch wieder keine Lust sich lang und weit damit zu beschäftigen. Die Landschaft und der See ist viel zu schön. Mir fällt der Spruch meiner Mutter ein: „Maß zu halten ist das Ziel“ oder anders ausgedrückt: die Balance zwischen Informtion, gedanklicher Auseinandersetzung und dem Eintauchen in die Natur, letztlich ein Eintauchen in sich selber.

 

 

 

 

 

 

 

 

Erstmal gibt es eine wunderbare Paddeltour auf dem See, der so spiegelglatt ist, dass ich nicht weiß, wo das Ufer wirklich anfängt. Leises Plitsch-Platsch, Vogelgezwitscher und Stille um mich herum. So liebe ich das. Ich lass hier einfach die Bilder sprechen.

 

 

 

 

Am Abend treffen wir uns bei Ulrike. Das Feuerchen brennt schon, die Maronen sind gar und eine Flasche Wein macht die Runde. Was für schöne Gespräche führen wir. Jeder von uns hat spannendes zu erzählen, jeder von uns teilt offenherzig seine Meinung und jede ist willkommen. Es sind keie oberflächlichen Gespräche und das finde ich bemerkenswert. Ein besonderer Platz, dieser See.