Wolkentürme und Regenschauer bei Wyszembork

oder über Jakubowo wieder zurück zum Duba-See

 

30.-31.8.

Brrrrh – der erste September, der erste rrrrr-Monat, so wie wir früher immer gesagt haben. Der hohe Sommer ist wohl vorbei. Auch ich merke das hier draußen bei den Seen. Kühl ist es geworden und der Wind treibt das Wasser gen Irgendwo. Wolken ziehen umeinander, grau, dunkelgrau und nur kurz blinkt die Sonne mal durch. So gerne hätte ich den Sonnenstrahl festgehalten, die Wärme eingefangen und gleichmäßig auf Wasserplatsch verteilt, aber das geht nicht, munkelt das Leben vor sich hin und ob zähneknischend oder nicht, es ist wie es ist.

 

 

 

 

 

Es gibt nicht viel zu erzählen, eigentlich ziemlich gar nix. Regenschauer geben sich die Hand und Wetterfrosch kann mir keinen Ort nennen, wo es besser ist. Also bleib ich und mach ein bißchen Innendienst in Form von Kleinstreperaturen im Brummeli. Nicht viel. Ein bißchen Weltpolitik gucken, aber auch dort tut sich nach außen hin nicht sehr viel neues Spektakuläres. Es dümpelt dahin und wir alle, die wir uns für aufgewacht halten, müssen irgendwie das ganze Drama aushalten und auf den Punkt warten, wo wir dazwischen grätschen können. So fühlt es sich jedenfalls für mich an.

Hingucken, wahrnehmen und aushalten. Widerstand da leisten, wo es sinnvoll ist und vor allem nicht den Mut verlieren! In diesen Zeiten noch wichtiger als sonst. Neben den gesellschaftlichen Drama gibt es Dramen von lieben Menschen, die mit Krankheit konfrontiert sind und in diesem Gesundheitssystem irgendwie überleben müssen.

 

 

 

 

 

Die Plötzlichkeit mit der Leben sich ändert, wird deutlich, die Unberechenbarkeit sichtbar. Da denkt man dies oder jenes und Leben sagt ganz anders. Es ist schon eine riesige Konfrontationszeit – für die Gesellschaft, aber auch für uns jeden einzelnen. Wie richtet man sein Leben ein, was sind die Orientierungspunkte, was sind Ziele und stimmen die dann noch. Oder hebt uns das Leben ab und an aus diesem Kreislauf heraus, nimmt die Orientierung bis Seelchen seinen Kurs wiederfindet, im Einklang mit dem wirklichen Lebensfluß und nicht mit dem Vorgestellten, Gedachten oder Gewünschten. Dazu bedarf es meiner Meinung dieses berühmte Innehalten, still-stehen und lauschen, bevor wir den nächsten Schritt setzen. Oder gilt das nur für mich? So oft fühle ich mich genau so.

 

 

 

 

 

Und so suche ich an den Seen nach schönen Plätzen im grauen Regennass. Die Plätze sind schön, aber eben nass und kein Paddelwetter. Was nun? So langsam Richtung zurück ist meine Antwort, denn im hohen Osten wird es auch nicht mehr wärmer. Und so lande ich wieder hier nahe Duba am See. Vielleicht eine letzte Paddelrunde, wenn der Wind nicht zu böig wird, vielleicht, sehr vielleicht.

 

Vorher schaue ich noch bei Jakubowo vorbei. Dort liegt ein großer schöner offener See, fest in Windeshand mit großen Wellen gleich neben der Rumpelstraße. Nicht ganz so lauschig, weil das Flutlicht in der Nacht dem Mond Konkurenz machen könnte. Also rolle ich die paar Kilometer weiter zu meinem Duba-Platz. Hier könnte ich nochmal in die andere Richtung paddeln, meine Idee. Wetterchen soll ja ein bißchen besser werden. Gucken wir mal. Der Mond geht malerisch vor mir auf´ und glänzt silbrig-golden im Wasser. Es ist doch erst acht. Die Tage werden merklich kürzer. Brrh- naja die rrrrr-Monate haben angefangen.