Freunde, Wasser und Wein

P1000300und in Ruhe diese Weite geniessen ….

 

25.- 27.September

Kein Licht, das von der Dorfstraße zu mir hereinscheint und so schlafe ich herrlich. Der Himmel verdüstert sich etwas, Wolken ziehen umeinander und der Jugo wühlt das Meer auf. Heute ist ein Regentag angesagt, der aber erst nach meinem Morgenschwimmerli beginnt. Eingewickelt in Fleecedecke und mit Pullover sitze ich in der Früh auf meiner Terrasse und nach meinem zweiten Kaffee ist mir so warm, daß ich mich hinten in der Bucht ins Wasser traue. Das Schwimmen ist einfach schön und ich spiele mit den Wellen, die immer noch warm sind, ich glaube, so um die 20 Grad.

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So wie der Jugo die Wellen aufbauscht, so bauschen sich auch die Wolken am Himmel zusammen und dann gibts mal wieder einen fetten Regenschauer. In meinem Brummeli versuche ich ein wenig Ordnung in meine Fotos zu bekommen. Elke in ihrem kleinen Zelt verkriecht sich nochmal ins Bett. Meine „Kuchen“Nachbarn beobachten aus ihrem Womofenster, daß ich ihnen ein kleines Sträußchen Kräuter mit einem kleinen Säckchen von Renates Kräutermischung hinlege. Ganz leise schleiche ich mich an, aber hier auf der „Dorfstraße“ bleibt nix verborgen.
Gegen Mittag hörts Regnen wieder auf und alle kommen aus ihren Nestern, begutachten die Riesenpfützen und hängen diverses zum Trocknen auf. Mein Radl braucht Auslauf. Im Straßencafe von Punta Kriza sitzen schon Susanne und Bert, meine Kuchennachbarn und wir ratschen über Kinder, ihre Unterschiedlichkeit, das Leben, der Wunsch mal nach Portugal zu fahren usw. Vorsichtig soll ich fahren, denn ich habe meinen Helm vergessen und Bert, der in der Rettung arbeitet, hat schon zuviele Schädel-Hirntrauma gesehen. Ich nehme mir das zu Herzen und fahre an die Seite, wenn ein Auto kommt, denn die Kroaten sind nicht immer rücksichtsvoll. Irgendwann zweigt eine Schotterstraße zu irgendeiner Bucht ab. Schotter, Kies und Matsch mit vielen groben Steinen erwarten mich. Tapfer schlage ich mich durch, gebe aber irgendwann doch auf, als die Pfützen zu groß und der Weg einfach zu matschig und radluntauglich wird. Ich bin in der Macchia, rechts und links ein paar abgegraste Wiesen und dann wieder undurchdringliche Krüppelgewächse, die sich nicht höher trauen zu wachsen, weil die Bora sie schon zurechtpfeift. Zuhause gibts ein kleines Fresschen und dann verabschiede ich mich von Wolfgang und Birgit. Ihre Zeit hier ist rum. Sie hatten mich vermißt in drei Wochen, die sie hier waren.

P1000326P1000303Ein kräftiger Wind aus Nordost bläst zu mir herein und diese kleine Bora vertreibt die restlichen Wolken, so daß der Himmel blitzblank sauber geputzt ist und auch die Adria wieder blau schimmert mit weißen Schaumkrönchen zur Verzierung. Ich geh trotzdem ins Gwasch und schwimme um die Ecke. Jeden Tag, so fühlt es sich an, wird das Wasser etwas kühler. Aber wenn ich erstmal drin bin und ein paar Züge geschwommen, ist es einfach nur schön. Die Sonne scheint mir auf den „Buckel“ und so beschließe ich eine kleine Paddeltour zu machen …. in die Baldarinbucht, bis zu meiner ersten Schwimmstelle. Ich muß mich ganz schön anstrengen, denn der Wind bläst mir entgegen und die Wellen sind auch ganz schön hoch. Mein Boot nimmt sie souverän und irgendwann liege ich ausgestreckt in der Bucht, schaue in die Weite, schaue in den Himmel und schlummere vor mich hin. Ja, denke ich, dafür bin ich nach Cres gekommen, mit dem Boot irgendwo in eine Bucht fahren und Seele baumeln lassen. Auf dem Rückweg sind die Wellen am „Kap Horn“ von Baldarin noch ein wenig höher und ich bin froh gut um die Ecke zu kommen. Das hält mich aber nicht davon ab noch zur „Kapelle“ zu paddeln, auch wieder gegen den Wind. So vertraut ist alles hier, war ich doch schon viele Male da und trotzdem ist jedes Mal die Stimmung ein wenig anders.

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Hunger und Kaffeedurst treiben mich dann endgültig zurück. Ein kleiner Ratsch hier, ein kleiner Ratsch dort bevor ich auf „meiner“ Terrasse den Kaffee und ein belegtes Brot genieße. Hmm! Abends koche ich für Elke und mich Gnocchi mit Tomatengemüse, das wir bei Sonnenuntergang genießen. Mit einem Glaserl Vino verziehe ich mich nach innen und lausche noch dem Vortrag von „Bauer“ über unsere Gene, die miteinander arbeiten wollen und nicht gegeneinander. Das Konzept von Darwin, der Stärkste schlägt sich durch, ist widerlegt. Unheimlich spannend. Auch diesen Vortrag muß ich nochmal hören. Da steckt viel zu viel drin.

P1000317Der Wind ist weniger geworden, kommt aber immer noch aus Nordost. Ein paar Wolkenfetzen, ein paar Schlieren, aber schließlich setzt sich die Sonne durch und der Himmel wird blau und bläuer. Wie jeden Morgen trinke ich meinen Kaffee und schaue über die Steine ins Wasser und lass mich von der Sonne bescheinen. Das ist so besonders hier auf diesem Platz. In meiner kleinen Nische kann ich die Weite von Wasser, Wind und Wellen so genießen und habe gleichzeitig den Komfort von einem großen breiten bequemen Sessel mit Fleecedecke und allem drum und dran und dazu auf einem Tischchen neben mir meinen Pott heißen Kaffee. Luxus und Natur pur und das mal wieder an dem „Ende“ von der Insel. Ich habe es diesmal auf der Reise mit den „Enden“ und so hat sich dieser Platz hier herrlich eingefügt. So schön und so lauschig hatte ich mir das nicht vorgestellt.
Ein Schwimmerli um die Ecke folgt und beim Rückweg über die Klippen ein netter Ratsch mit Nachbarn, Heiner und Elsa, die auch schon jahrzehntelang herkommen. Sie kennen mich noch mit meinem Latzki zusammen. Und dann sticht mich der Hafer, nein eine kleine fiese Wespe in den Popo… autsch …ich habe doch so eine kleine feine Salbe mit, denke ich und abrupt endet das Gespräch. Habe ich nicht, habe ich nämlich vergessen einzukaufen. Na gut dann muß es einfach dick werden. Und so habe ich fast drei Pobacken Am Ende des Tages ist es wieder auf Normalgröße geschrumpelt. Elke kommt noch vorbei, bevor ich aufs Boot gehe und Richtung Damian paddele. Weiter komme ich nicht, die Wellen sind zu hoch. Also eng an den Buchten entlang, bis zu meiner ersten Schwimmbucht, auf der ich genau vor zwei Jahren, an Muttis Todestag, eine Steinschlange, die sich ins Wasser verabschiedet, gebaut habe und in den Baum „Steinglocken“ gehängt. Heute ist es nun vier Jahre her, daß sie endlich sterben durfte. Sie hatte so sehnsüchtig darauf gewartet. Wo sie wohl steckt? Ich glaube, daß es ihr supergut geht. So manches, was ich erlebe, würde ich ihr gerne erzählen, aber so denke ich auch das einfach zu ihr hin, so wie ich das mit meinem Latzki schon jahrelang mache. Zur Coffeetime bin ich wieder an Land. Elke ist es schlecht, sie hat was verkehrtes gegessen… ich mach ihr einen Salbeitee und schau später nochmal nach ihr. Ihr liegt auch das „Ende ihres Urlaubs“ im Magen. Ein kleines Computerspielchen am Abend, ein kleines Fresschen, ein bisschen Hörbuch und dann schlummere ich süß und selig.

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