oder ein verlassenes Dorf und windgeschützte Plätze…
6.-7.1.
Noch ist der Himmel etwas sandgeschwängert, gelblich gefärbt. Die Sonne muss sich durch die vielen Sandkörner scheinen, die der Wind aufwirbelt und in der Luft tanzen läßt. Fette Böen treiben sie vor sich her. Sandsturm! Ein geschütztes Plätzchen??? Ich weiß eins unten an der Lagune bei Dakhla. Meine Spuren sind noch sichtbar und so baue ich mich im Windschutz des Sandhügels auf, unten an der Küste. Oben tobt der Wind weit aus mehr. Da würde so ein Hügelchen nicht reichen.
Und mit diesem Nordostwind wird es auch richtig kühl, jedenfalls für meine Verhältnisse. Aufwachen auf roter Erde mit kleinen grünen Gewächsen. Diesmal komme ich vom Süden und fahre den Weg, der durch die Felsen geprengt wurde. Ein bißchen sandig weiter unten, aber nicht zu schlimm. Baue mich sorgsam auf, so daß mich am wenigsten Wind erwischt.
Und wieder mal wird mir bewußt, wie gut ich es habe. Bin nicht festgebunden an einen Ort. Ich denke an die Menschleins, die in der klirrenden Berlinkälte ausharren müssen. Anstatt THW und Bundeswehr für die Versorgung der Menschen zu nützen, werden so viele einfach ihrem Schicksal überlassen. Naja, etliche Stromgeneratoren wurden ja auch woanders hin geschickt. Und durch vereiste Nebenstraßen von Haustür zu Haustür gehen, da ist der Aufwand zu groß. Das Ahrtaldrama taucht in Gedanken wieder auf. Flüchtlingsunterkünfte werden geräumt und die Alten in ihren kleinen kalten Wohnungen bleiben unerreicht.
Zurück zu mir und den letzten zwei Tagen: Eigentlich wollte ich an meinem so wunderschönen Dünenplatz bleiben, aber der Wind wird stärker und entwickelt sich ganz langsam zu einem Sandsturm. Ich sehe in der Ferne schon die gelblich-weiß gefärbten Wolken. Nein, da bleibe ich nicht hier draußen. Meine Spuren sind dann endgültig verweht. Ich sehe sie ja jetzt schon viel weniger. Also los und ab und an ein bißchen hin und her gesucht. Schließlich lande ich auf meiner großen Spur. Den weißen Wasserturm suche ich vergeblich. Ich sehe aber die LKWs in grosser weiter Ferne. Brummeli schnurrt durch kiesige Wüste und ich lande weit vor dem Wasserturm auf der Straße. Die eine Abzweigung hätte ich nicht nehmen sollen – ich dachte ja nur!
Und was jetzt? Windschutz für die Nacht ist angesagt. Wetterfrosch erzählt mir von den fetten Sturmböen. In den Steinbruchbergen nahe dem Cap Rayma, da gibt es sicherlich Windschutz. Und genauso ist es. Brummeli steht face to the wind und es wackelt nur wenig. Auch hier finde ich meine Spuren wieder. Sehr oft verirrt sich wohl keiner hierher. Ich hatte mir doch den See von Imlili ausgedacht zum Angucken. Von der Piste lese ich, dass sie tiefsandige Abschnitte hat. Ob das ein guter Gedanke bei Sandsturm ist?
Die Asphaltstraße endet 10 km vor dem See. Auf der Piste geht es weiter, die noch breit und grobsteinig ist. Der Himmel und die Luft sandgeschwängert. Bei blauem Himmel sicherlich ein Augenschmaus. Bei dem ersten großen Sandfeld drehe ich um. Unten schon eine große Weite und rechts von mir die Reste eines verlassenen Dorfes oder einer verlassenen Miltärstation, sehr lange verlassen. Der Sand holt sich langsam den Ort wieder zurück. Steinstufen hinauf zu einem Aussichtspunkt, der die Gegend überschaut. Im Seengebiet soll es wirklich noch Wasser geben. Na gut, das bleibt für ein nächstes Mal.
Ich kehre um, denn auch ein möglicher Schlafplatz hinter den Ruinen ist mir nicht lauschig genug. Der Wind fegt all die Sandkörner umeinander, der Himmel gelb und das bleibt auch ein paar Tage so. Und wohin verzupfe ich mich? Die Sanddünen von Dakhla sind nix, aber der Buchtplatz davor könnte möglich sein. Dakhla selbst sowieso dem Wind zu sehr ausgesetzt.
Gedacht, getan und für gut befunden. Und jetzt scheint sich sogar die Sonne ein bißchen durch. Durch die Küstenberge bin ich vom heftigsten Nordostwind geschützt. Geht doch. Und weiter nördlich, so flüstert Wetterfrosch, wird es besser. Ich bin ja nicht verwöhnt! Und was habe ich es gut, dass ich einfach Brummeli dahin stellen kann, wo es gut ist.
Ja, mein Nomadenleben – immer wieder zeigt sich wie diese freie Beweglichkeit und Unabhängigkeit mir Leben vereinfacht und mir ermöglicht flexibel auf die Notwendigkeiten zu reagieren. Da war wohl mal eine große schützende Schicksalshand über mir, die geholfen hat, die Vorraussetzungen dafür zu schaffen.



























