Nationalpark Bialowieza

oder rumstromern in den ewigen Jagdgründen der Fürsten, Könige und Zaren

27.9.

Das schöne Wetter will ich noch ausnützen für eine kleine Wanderung in den Urwäldern entlang der polnisch-weißrussischen Grenze. Hier ist ein Naturpark, dessen innerster Bereich nur mit einem Führer erforscht werden kann. Minimum der Wanderung drei-bis 5 Stunden. Das ist mir dann doch zu lang.

Der Morgenebel über dem See löst sich langsam auf und verspricht gutes Wetter und mein Google Maps einen kurzen Weg von 20 km. Kurzer Stopp bei den Grenzpolizisten. Sie nehmen alles sehr genau, es ist ja auch noch früh und sie sind einfach neugierig, wie mein Womo innen ausschaut.
6,7 km vor den Toren des Nationalparks ist Schluss. Ich darf hier nicht mehr weiter, zu eindeutig das Schild.
Also umkehren und dann 45km fahren, bis ich da bin, wo ich hin will.

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Park ist gut besucht und ich sehe nun endlich mal die Konje-Pferdchen in Natura.
Mein Vater liebte sie, denn es war schließlich eins von ihnen, das ihm das Leben gerettet hat, so erzähle er früher. Auf seiner Flucht aus dem Tscherkassy Kessel in Rußland mußte er einen Fluß überqueren und das gelang ihm nur mit Hilfe seines Pferdchens. War es der eiskalte Dnepr Fluß , ein Grenzfluß zwischen der Ukraine und Rußland oder der Bugfluß, ein Grenzfluß zwischen Polen und Weißrussland. Er erzählte, dass er dann in Sicherheit war. Sein Konje-Pferdchen hat die Eiseskälte des Flußes nicht überstanden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wochenlang marschierte er nachts durch die Wälder, versteckte sich tagsüber und bekam von dem einen oder anderen Bauern was zu essen. Wieviel Kraft, Mut und Überlebenswille hat in diesen jungen Burschen gesteckt. Und wie wurde das schamlos von den Nazi-Kriegstreibern ausgenützt.
So manche Geschichten meines Vaters bekommen hier ein Bilder. Und ich glaube diese Naturliebe, die Liebe zum Einfachen habe ich von meinem Vater geerbt. Staunend stehe ich vor seinerunbandigen Kraft, sich trotz der Angst, plötzlich einem Russen gegenüber zu stehen, durchzuschlagen.
Ich wünsche ihm, da wo immer er jetzt ist so viel Glück und die Möglichkeit diese Liebe zur Natur und Kraft positiv leben zu können, wie auch immer.

 

 

 

 

 

Nach dem kleinen Zoo, der hauptsächlich für seine europäischen Bisons berühmt ist ( sie wurden ja auch hier im Mittelalter von Zaren, Fürsten und Königen gejagt) wandere ich durch Urwald, zu alten Eichen und schließlich wird noch das Jagdschlösschen besucht.  Wehe dem der sich damals traute ein Wild in diesem Gebiet zu erlegen. Kopf ab, war die Dewise. Das Gebiet war nur für die Reichen und Schönen, nicht für das normale Fußvolk.

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich bin viel später am Brummeli als wie erwartet und habe doch noch 100km zu einem schönen Übernachtungsplatz am Bug-Fluß, Grenzfluß zu Weißrussland. In Niemirow gibt es einen Platz, der über Feld-und Wiesenweg erreichbar ist. Es ist wirklich fast an der Grenze.

Und heute, während ich das schreibe, bin ich überzeugt, dass es dieser Fluß war, den mein Vater durchschwamm. Im Sommer fließt er so gemählich dahin. Im Winter, wenn die Wassertemperaturen nur ein paar Grad über Null sind wird er zur Todeszone.

 

 

 

 

 

 

 

 

In der Nacht fängt es an zu regnen und ich bin ein wenig unsicher, ob der Weg nicht doch zu sehr aufweicht. Deshalb fahre ich relativ früh weg nach Mielnik, wo ich einen schönen Blogschreibeplatz finde. (Der Weg war natürlich fest genug, Brummeli: „Du und deine Ängstleins stecken zu bleiben, du kannst mir vertrauen ich kann viel!!“)
Diese Reise hier entlang des Flußes ist wohl meine Hommage an meinen Vater und so beschließe ich, diesem Fluß noch ein wenig zu folgen.

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