Lipice – kleine Grenzen in Corona-Zeiten

oder hinüber nach Italien und weiter ins Isonzo-Delta

3.11.21


Graue schwere Wolken wabern übers Land. Der blaue kalte Himmel ist überzogen von einer dunklen Decke, die nur ab und zu für einen kurzen Moment den Schleier lüftet. Unter der Decke ist es kuscheliger  geworden, die Kühle der Klarheit bleibt unter der Wärme des Schleiers verborgen. Immer wieder fallen Regentropfen und die Welt erscheint ein wenig trübe in diesen Grautönen.

 

 

 

 

Auf geht’s nach Italien. Vor jeder Grenze habe ich immer ein bißchen Bammel. Bin ich gut vorbereitet auf eventuelle Fragen, habe ich alles Notwendige zur Hand usw. Auf dem Weg probe ich ein bißerl in meinen Gedanken. Diese Zeiten verlangen so aufmerksames Handeln. Verplappern ist doof. Dem Kind den richtigen Namen geben, damit der Andere zufrieden ist, so meine Devise.

Die kleine Grenze bei Lipice ist leer, sprich keiner ist da. Wirklich überhaupt keiner. Autos rollen von der einen Seite zur anderen, fertig. Es ist schon spannend, in den Medien wird uns groß und breit von allen den Schwierigkeiten des Grenzübertritts erzählt und die Wirklichkeit, zumindest mit dem Auto an kleinen Grenzen, sieht anders aus. Ich habe das jetzt schon so oft erlebt. Trotzdem bin ich davor immer ein bißchen angespannt und nehme das Einfache nicht selbstverständlich.

 

 

 

 

Auf Italiens Seite wuselt es in den kleinen Orten. Die Straßen sind eng geparkt, Bus und Brummeli kommen trotzdem gut aneinander vorbei.


Eigentlich will ich im Isonzo-Delta nur eine kurze Pause einlegen. Zur Vogelwanderzeit ist hier reges Kommen und Gehen. Ich erforsche ein wenig die Gegend rund um das Naturparkzentrum. Finde aber keinen Weg weiter ins Geäst des Wassers, das sich hier mit dem Meer vereint.
Weiter vorne ein schöner Übernachtungsplatz. Der nächste Platz hinter Venedig ist zu weit. Die Tage sind so kurz.

Also wird weiter rumgebummelt und zwischen den fetten Regentropfen ein bißchen umeinander gewandert. Ein guter Film von 1948 mit Heinz Rühmann, Der Mann vom anderen Stern, flimmert am Abend über meinen Bildschirm. Spannend, sehr spannend wenn man den Dialogen folgt. So passend in unsere jetztige verrückte Zeit. Es lohnt sich diesen anzuschauen.

 

 

 

 

Irgendwann fängt von irgendwo das Brummen an – ein Kraftwerk, Pumpen oder ????? Das ist nix für mich. Über den Kanal tönt es direkt herüber zu mir. Gut, das es da noch einen anderen Platz nur 7km weiter gibt. Im Dunklen fahre hinüber und finde Schutz zwischen Bäumen und einen Miniblick aufs Wasser. Hier ist es gut. Ich stehe an einem Uferweg zum Meer in einer Nische und laß die Geräuschkulisse draußen.

 

Diese ganze Gegend hier um Grado ist interessant, vor allem dieses Delta, das sich durch viele kleine Wege erforschen läßt. Im Sommer natürlich mit vielen anderen zusammen. Jetzt steht nur weiter vorne ein anderes Auto.