In den Dünen von Lamhiriz

oder Wellen, Pfützen und Bir Gandouz

 

3.1.

Sonntagssonne und nur ein leises rauschendes Meer, obwohl ich doch viel näher dran bin. Hinterhalb der Dünen fliegt das Rauschen über mich hinweg in die Wüstenweite, nur so kann ich es erklären. Herrlich runde Vollmondnacht zum tief und fest schlafen. Ich wache auf am Ende eines kleinen „Dünentals“ in dem sich Regenwasser sammelt und malerisch blaue Pfützen bildet. Dazu der rote Teppich der Sukkulenten, die sich mit ihren großen Tentakelwurzeln über den Sand verbreiten. Mal rot, dann wieder grün. Und im Sand die erste Sandhyazinthe, – Frühling kommt!

 

 

 

Frühling braucht es hier nicht weil Sommer ist. Tagsüber 25 Grad oder mehr und nachts 18 Grad. Ein erfrischendes Lüftchen, was will ich mehr. Wetterfrosch munkelt von doofem Regenwetter weiter nördlich. Hier in der Westsahara das beste Wetter. Da hat mich Schicksal soooooo richtig geleitet. So manches Mal stehe ich ja mit staunenden Augen vor den Richtungen, die ich einschlage und die sich dann als so gut erweisen. Danke!

 

 

 

Und gestern: die paar Regentropfen am Morgen verziehen sich schnell. Im Osten bleibt es noch grau. Ich fahr die Piste zurück auf die Straße und dann sind es nur noch 60 Kilometer bis Bir Gandouz. Keine militärischen Eingangskontrollen an der Stadt und auch kein Militär, das abends meinen Paß sehen will, obwohl ich doch so nah an der Küste bin. Tanken und Gemüseeinkauf plus das leckere Fladenbrot. Es wird ärmlicher hier. Der Marktplatz oder die Einkaufsstraße marode und nur noch Erdboden. Der Asphalt wird weniger. Ich krieg alles was ich brauche und fahr hinaus nach Lamhiriz. Dort ist der neue Hafen.

 

 

 

Marokko, so las ich mal, hat sich die Westsahara genommen und bietet anderen afrikanischen Ländern den Meerzugang an. Im Gegenzug, die Anerkennung der Westsahara als marokkanisch. Mit Hilfe von China bauen sie Häfen und Infrastruktur. Tja, so geht Landnahme. Auch in abgelegeneren Gebieten Marokkos sind viele Straßen schon asphaltiert und werden darauf vorbereitet.

 

 

 

Dazu kommt ein Touristikprogramm hier in der Westsahara. Ich sehe diese Schilder mit der Karte in denen Sehenswürdigkeiten eingetragen sind. Eine Piste der Küste entlang für Allradfans, echte Sandfans. Und Strässchen weit ins Hinterland der Westsahara, die sonst kaum auf einer Karte zu finden sind. Ein bißchen reinschnuppern steht auf meiner to-do Liste. Letztlich ist es von der Treibstoffversorgung abhängig. Die große Tour hebe ich mir fürs nächste Mal auf. Die mache ich lieber mit zwei 20l Kanistern als Reserve. Dann kann ich entspannt dort entlang gondeln. Ich fahre ja meinen Tank nie ganz leer, maximum Hälfte.

 

 

 

Und so kehre ich auf mein Platzerl ein. Eine unscheinbare Piste weist mir den Weg bis ganz nach hinten. Dann kommt Sand. Da bleibe ich lieber davor, wandere über den Strand und hinauf zu einem Sitzfelsen. Schau den Wellen zu und ratsche am Telefon. Leben in der Westsahara!