oder die Sehnsucht der Nomaden …
16.1.
Weit am Horizont ein weißes viereckiges Haus und eine hohe Steele, die in den Himmel ragt. Dazwischen kiesiger goldgelber Wüstensand. Drei Spuren am Ende der Straße, die sich irgendwo in der Weite verlieren. Ich nehme die mittlere über festen Grund, einfach quer durch mit Blick auf das Weiss. Leichtes Herzklopfen. Wie weit traue ich mich? Der Sand trägt und eine leichte Spur gibt es auch. Hinunter in die lehmige Ebene und wieder hinauf.
Da ist es das weiße Haus. Frisch angestrichen glänzt es in der Sonne auf einem großen Platz, mit Steinen abgegrenzt. Eine Zaouia? Vorsichtig nähere ich mich. Ein Schritt über die Steine. Der Wind braust auf, fegt um mich herum. „Was, du traust dich hier einfach hochzukommen und dann noch über die Grenze zu gehen? Weisst du denn nicht, wo du gerade bist?“ Ein zögerliches langgezogenes Nein, weiß ich nicht. „Dreh dich um und sei vorbereitet.“
Ein mit geschwungenen Mauern eingefaßtes Grab. Die Inschrift von einem Mann, von dem man nichts Schlechtes zu berichten hatte. Wieder jemand, der sein einfaches nomadisches Leben dem ganz Anderen gewidmet hat, dem was hinter dem Horizont liegt. Ich trete näher. Eine Welle von Sehnsucht erfaßt mich, wie ein Hauch von vielen kleinen Sandkörnern, die aufgewirbelt umeinander fliegen. Der Wind bringt sie zurück, dahin, wo sie wirklich hingehören. Der Himmel ist blau, die Wüste unendlich weit.
In der Mitte der Ebene ein Rund aus Steinen. Eine alte Decke, fast verweht, erzählt von den vielen, die hier rasteten. Sie suchten Antworten. Still lauschend saßen sie einfach nur da und gingen dann weiter. Manche langsam und schleppend, andere mit hocherhobenen Kopf, wieder andere mit einem Leuchten in ihren Augen. Jeder nahm einen kleinen Stein und legte ihn zu den anderen. Ich war hier.
Für eine Weile ruht meine Hand noch auf der großen weißen Steele, eine Orientierung in dieser endlosen Weite. Ein Loch im Fels. Mein Stein fällt nur dumpf auf Sand. Kein Brunnen. Weit verteilt die Reste, derer die schon lange vor meiner Zeit hier gewandert sind. Ich kehre zurück. Eine namenlose Zaouia, die ich finden durfte.
Fünfmal fahre ich im Kreis, nicht absichtlich. Welche Spur ist die Richtige und wo ist meine Straße? Wieder leichtes Herzklopfen. Irgendwann holpere ich zurück auf meine Straße und finde einen Platz, an dem ich schon mal Zuflucht vor dem Wind gesucht hatte.















