Ein Strässchen Richtung Bir Anzarane

oder ein Möchte-gern Zoo und eine heiße Quelle….

 

10.-11.1.

Der eiskalte Sandsturm ist vorbei und die gewohnte Sommerwärme der Wüstenkörnchen ist wieder eingezogen. Jippiii – sternenklare Nacht mit dem hellem Streif der Milchstraße, eine Mondsichel. Der Morgen, der goldgelb aus der Ferne emporsteigt. Da bist du ja wieder liebe Sonne mit deinen wärmenden Strahlen. Ich steh natürlich auch wieder irgendwo im Nirgendwo,- kann so weit schweifen. Auf der Herfahrt stand ich auch schon hier, komme zwar von der anderen Seite aber lande trotzdem hier. Das ist wohl der schönste Platz.

 

 

 

Aber der Reihe nach: Von meinem „heiligen Gral“ zurück auf die N1 bis zur Abzweigung der kleinen weißen Straße, die auch nach Bir Anzarane führt oder führen soll. Tanken und nachdem Wetterchen wieder so viel klarer geworden ist, kann ich mal gucken. Najaa 25 km, dann mutiert das Strässchen zur Piste undzwar gleich zu Anfang mit Tiefsandfeldern. Ein bißchen zu Fuß erforschen. Es ist wirklich Tiefsand und Brummeli könnte sich einbuddeln. Mit weniger Luft ginge es. Neugier versus Vernunft und die Vorsicht siegt. Ich bin halt doch nicht der ganz versierte Offroader.

 

 

 

Zurück und auf mein nächstes Strässchen, das zu einer kleinen Oase führt. Vorher geht eine Piste links weg zu einer Art Zoo. Gazellen und Strauße sollen hier zu sehen sein. Alles verschlossen und sehen tue ich nix. Ich rumpel die Piste weit den Zaun entlang. Nirgendwo ein Tierchen. Dann halt nicht. Einen Übernachtungsplatz finde ich irgendwo in einer Nische. Der Wind weht noch, aber nicht mehr so stark. Vorher traf ich noch nette Andalusier, die einfach nur für ein paar Wochen hier in Marokko rumgurken. Jetzt mit einem normalen Womo, sonst aber auch viel mit ihrem Defender. Sie erzählen von Pisten und Overlander Karten, von Möglichkeiten die Militärs zu umgehen und nahe der Grenze zu fahren. Halt richtige Offroader. In einer Woche müssen sie zurück in Tanger sein.

 

 

 

Und die Oase, die ich suche ist am Ende der Straße. Ich frag mich selber war ich da schon mal. Also Brummeli schnurr weiter. Ja, da war ich schon mal, bloß war damals kein Wasser im Becken und vor allem kein Heißes ganz hinten. Ich hatte mich gewundert wozu diese Betonkanäle da sind. Wo kam ich denn her? Von diesem kleinen Strässchen das direkt hier abzweigt oder von dem weiter vorne?

 

 

 

Ein bißchen umeinander wandern in dieser kleinen Oase, in der jetzt wirklich Wasser pritschelt und im Wüstensand versickert. Weil Sonntag ist, ist das kleine Schwefelbecken mit heißem Wasser gut besucht. Ein paar PKWs und Zelte zwischen den Büschen. Nur die Männer im Wasser. Eigentlich wollte ich mich da ja auch darin tummeln. Ich höre, dass am Freitag kein Mensch da war. Also kann ich es doch nochmal am Montag, also heute probieren.

 

 

 

Ein paar große Trucks der Nomaden stehen da, voll mit blökenden Schafen, die sie hier zu irgendwelchen Weideflächen bringen oder von irgendwelchen geholt haben. Einer schaufelt frischen Sand auf den Boden und vier Schafsaugen gucken neugierig raus. So manche Toyotas mit Ladeflächen haben Kamele, Schafe oder ein paar Ziegen aufgeladen, die sie von hier nach dort bringen. Und jetzt gibt es einiges Grün zum Futtern und Schmatzen.

 

 

 

Ein tschechisches Päarchen mit Kind steht auf dem Parkplatz. In der Nacht ist es hier beleuchtet, erzählen sie. ( Also kein Platz für mich!) Wir ratschen lange, sehr lange. Kindererziehung – die Eltern wollen es so viel besser machen, als wie sie selbst erlebt haben. Und manchmal, so erscheint es mir, ist es einfach des Guten zuviel.

 

 

 

Eigentlich wollten sie drei Kinder und blieben bei Einem, weil er sie so in Beschlag nimmt, dass sie ihr ganzes Leben auf ihn ausrichten. Einen Leben zwischen Freiheit und Angebundensein an die Befindlichkeiten des Sohnes. Sie sind Reisende allerdings höre ich immer wieder raus, das sie sich Gemeinschaft wünschen. Der Sohn will aber nicht und kann dann mit Gefühlsausbrüchen drangsalieren. Tja, jetzt nach schon sieben Jahren braucht es viel Mut Grenzen zu setzen. Dem Kind zu vermitteln, dass es so fühlen darf, wie es fühlt und es darin ernst zu nehmen und trotzdem die Grenze zu halten. Sie sind nicht dafür da, das Kind immer nur glücklich ist.

Und so gondele ich paar Kilometer wieder zurück zu diesem herrlichen Platz. Ich habe noch Telefonzeit, noch bevor die Sonne untergeht, draußen auf dem Stühlchen. Es ist wieder so schön warm geworden, so wie ich es kenne.