Die Ruinen von Butrint und das „Blaue Auge“

oder wandern in alten Zeiten und eintauchen in die Farben des So-seins

9.10.

Nach dem Regen der Nacht kehrt die Sonne am Morgen wieder. Da war meine Entscheidung doch richtig, nicht auf glitschiger Piste zu bleiben. Ich fahre nochmal mit der kleinen Holzfähre hinüber, um in den Resten der alten Stadt zu wandern. Eine alte Stadt, teils aus vorchristlicher Zeit, erbaut auf dieser Halbinsel. Hoch oben die Burg des Königs und seiner Königin.

 

 

 

 

Wie war das Leben damals?
Waren sie weise Herrscher? Vielleicht gingen sie ab und an tief verkleidet als Bauern hinunter ins Tal, saßen zusammen mit den Menschen, tranken gemeinsam den Wein und lauschten. Lauschten auf das, was die Menschen erzählten. Ihre Wünsche und Hoffnungen, ihre Nöte und Sorgen.
Waren es weise Herrscher, die wissen wollten, wie es dem Volk wirklich ging? Waren es weise Herrscher, die sich in den Dienst der Menschen stellten und nicht in den Dienst wachsender Macht? Waren es weise Herrscher, die ihre Berater sorgsam aussuchten und die in ihrer Sorge für Gerechtigkeit und Ordnung den Menschen nie vergaßen? Waren es weise Herrscher, denen das Wohl ihres Volkes wirklich am Herzen lag?

 

 

 

 

 

 

 

 

Oder waren sie letztlich wie heute? Die Gier der Macht, die den Menschen auf eine Funktion reduziert, die dann für die Zwecke der Macht mißbraucht werden kann. Die Gier nach unendlicher Machbarkeit, die die Seele des Anderen negiert, das Innere, das Wesen. Alles soll gleichgeschaltet sein, damit es beherrschbar ist. Individualisten sind dabei nur Störenfriede und potentiell gefährlich. Sie könnten das Weltbild ins Wanken bringen und somit die Macht einiger Weniger.

 

 

 

 

Ich wandere durch die alten Steine, erklimme Stufen, sitze auf der Steinbank und folge dem Geschehen unten auf der großen Bühne. Ich schaue hinab ins Tal, wo das Leben seinem Lauf folgt. War es schon immer so oder gab es andere Zeiten? Wann hat es angefangen, das wir Menschen unserer Bequemlichkeit gefolgt sind und die da oben haben machen lassen? Wann hat es angefangen, das wir Menschen vergessen haben, das wir mehr sind als nur funktionaler Körper, bzw. Materie? Wann hat es angefangen, das wir Selbstbestimmung und Souveränität zu Gunsten von schnelllebigen Glück aufgegeben haben? Wann hat es angefangen, das wir Menschen vergessen haben, warum wir hier sind und woher wir kommen? Wann hat es angefangen, das wir Menschen unseren Ursprung vergessen haben?

 

 

 

 

Still wandere ich zurück mit all den Fragen, die umeinander geistern. Es gibt so Tage, an denen bei mir etwas anklopft, dumpf, rhytmisch und voller Mystik. Und heute ist so einer.

Und wenn ich von wir und den Menschen rede, dann meine ich im Wesentlichen mich selbst. Ich kann letztlich nur von meiner eigenen, subjektiv empfunden Wahrheit reden, von meinen eigenen Fragen. Die objektive Wahrheit läßt sich nicht in die Form von Worten pressen. Und die Wahrheit der Anderen kann eine ganz andere sein. Vielleicht ist das das Allerwichtigste, was ich persönlich 2020 gelernt habe.

 

Da paßt das „Blaue Auge“ , die Quelle des Flußes als Abschluß. Ich fahr ein kurzes Stück hinauf in die Berge, laß Brummeli unten am Kircherl stehen und wandere hinauf zu dieser grün-türkis-blau schimmernden Quelle. Eine Farbenpracht auch im Grau der Wolken.

Solche Farben hatte ich zuletzt in Nordaustralien gesehen. Ich verweile mit einigen anderen, suche mir ein stilles Plätzchen, bevor ich schnellen Schrittes zurück über den roten Matsch laufe. Der Regen kommt wieder und kurz vor dem Brumm kommt er heftig wieder. Glück gehabt!

 

 

 

 

Fünfzig Kilometer weiter gibt es einen Strand und hier scheint noch heiße Sonne. Ein Schwimmerli im türkisenen Meer mit Sicht auf Korfu. Was für ein Tag heute.

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