Begegnung am Strand von Borsh

oder so, als ob wir uns schon immer kannten…

10.10.

Immer noch ziehen fette graue, nasse Wolken über das Meer und die Bucht. Die Wellen rollen heran und die großen runden Kiesel reiben aneinander und murmeln irgendwas von, auch das geht vorüber.

Im Rhythmus der Regentrommel laß ich den Morgen heraufziehen, träumend mit meiner Kaffeetasse im Bett. Ich habe keine Eile, will aber doch ein Stück weiter.

Aus irgendeinem Grund bleibe ich stehen, rolle ein Stück zurück und begrüße die Vier mit ihren beiden Bussen. Aus der Begrüßung wird ein Kaffeeplausch, aus dem Kaffeeplausch wird ein intensives Gespräch über uns, unser Leben unsere Sorgen und Nöte, unsere Wünsche und Hoffnungen und wie wir ganz praktisch mit den Coronabeschränkungen umgehen.

 

 

 

 

So, als ob wir uns schon immer kannten, tauchen wir ein in unser Gewordensein und teilen es offenherzig miteinander. Wie sind wir hierher gekommen, was führt und lenkt uns? Wir stellen Fragen, suchen Antworten, finden Altes und Neues und berühren Punkte, die kaum benannt oder in Worte gefaßt werden können. In den Augen leuchtet das Erkennen und Seelchen fühlt, das es gut ist, wie es ist.

Stunden vergehen, aus dem Kaffee wird Kakao und Brummeli rollt die paar Meter wieder zurück zu seinem Extraplatz unter dem Felsen. Wir genießen alle die Intensität der Begegnung und bleiben mit Staunen zurück. Die Fragen, warum habe ich gehalten, bin sogar ein Stück zurück, nur um Hallo zu sagen, diese Frage ist müßig im Flow des Lebens. Wir alle sind Spiegel füreinander, zeigen uns Gesichter, die wir so oft nicht als das Eigene erkennen.

 

 

 

 

In der vertrauensvollen Offenheit dürfen wir wieder umsomehr ein Stück unseres Facettenreichtums sehen. Ich staune immer wieder über die Klugheit junger Menschen, über deren Fragen und Suchen.
Erinnert es mich auch an meine Jugend, in der auch ich umeinander reiste, mit Rucksack im Himalaya, um meinen Platz zu finden. Traf weise Menschen und Gurus, folgte ihnen, nur um dann irgendwann abzubiegen und auf meinem eigenen Trampelpfad weiter zu krabbeln.

Vielleicht ist das genau Leben. Im Tun erkennen wir häufig am besten, wo wir sind und an welcher Aufgabe wir uns gerade die Zähne ausbeissen oder zumindest kräftig dran rumkauen.

Und im Spiegel eines Gesprächs, im Spiegel der Begegnung kann das unscharf Wahrgenommene deutlich werden, in Form von Worten benannt und seinen Platz bekommen, für einen Augenblick, bevor es sich wandelt und ein neues Bild im Kaleidoskop entsteht.

So wandere ich am frühen Abend zurück zu Brummeli, lausche Regen und Wellen und laß den Tag ausklingen.  In der Früh scheint wieder die Sonne.

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