Aufwachen auf einer Waldlichtung nahe L’Escala

oder wieder Natur pur!

11.und 12.4.


Vogelgezwitscher, leises Rauschen der Bäume, ein grauer nieseliger Himmel und Stille um mich herum! Ja, tiefes, tiefes Aufschnaufen – ich bin wieder im Brummeli in meinem Zuhause.
Das Wetter ist für zwei Tage doof angesagt, am Meer zu windig. So verzupfe ich mich in die Stille der LIchtung in den Wäldern der Costa Brava. Ist das gut. Kein Autolärm und kein Menschengeschnatter und ich kann einfach nur da sein, atmen, fühlen, spüren und Gedanken kommen und gehen lassen.

Was beschäftigt mich? Es ist die Verwundbarkeit, der ich nachgehe. Wir alle werden und sind mit einer Verwundbarkeit konfrontiert. Leben wirft uns einfach in Zusammenhänge, mit denen wir dann umgehen müssen, sei es Krieg, sei es Impfpflicht, sei es Informationswahnsinn. Meine Verwundbarkeit in diesen Tagen war, das ich mein Leben draußen in der Natur mit dem sog. Marktplatz tauschen mußte. Nicht lebensbedrohlich, so wie für viele die in der Ukraine leben oder für andere, die verfolgt oder unter Zwänge gestellt werden.

 

 

 

 

 

Plötzlich habe ich mich wiedergefunden im Gewusel der Menschen und Orte, im Gewusel von Wichtigkeiten, die nicht die Meinigen sind. Ich brauche die Zurückgezogenheit, das Eintauchen in die Natur, das weit weg sein. In diesem Weit-weg-sein bin ich am tiefsten mit mir und meinem Wesen verbunden. Hier schwinge ich mich auf nach irgendwo, da wo Seelchen mich hinhaben will. Es sind Momente von Glück nicht äußerem Glück. Momente von Stimmigkeit und Zugehörigkeit. Kurze Momente, in denen die Fragen aufhören.

Meine Verwundbarkeit erlebe ich, wenn mir diese Möglichkeit genommen wird. Ist wirkliche Freiheit, vielleicht auch die Freiheit von diesen Bedingungen, die mir so ein tiefes Eintauchen ermöglichen? Ist wirkliche Freiheit auch das Loslassen von der Natur das Loslassen von Erde ? Klingt ein wenig verrückt, aber schon 2020 als die tiefe Corona-Erschütterung kam, habe ich viele Tränen darüber geweint. Immer wieder tauchte der Satz auf, das ich die Erde loslassen muß. Ich glaube, die tiefe Bedeutung von dem Satz weiß ich noch nicht.

Oder doch,- eine Ahnung? Ist unsere tiefste Verwundbarkeit unsere Sterblichkeit, dieses das wir wirklich aufgerufen sind irgendwann diese Erde zu verlassen. Ist unsere tiefe Verwundbarkeit vielleicht das Wissen um die grundsätzliche Unsicherheit des Lebens? Das was ich heute für wichtig und notwendig empfinde, kann morgen wieder anders sein. Ist das was „ich“ für wichtig finde auch das, was Leben für mich wichtig findet? Geht es vielleicht nur darum, das Hineingeworfen werden in Lebensumstände zu meistern? Was ist wirkliches Glück? Was ist wirkliche Lebenserfüllung?

Werden wir als gesamte Menscheit nicht gerade auch vor diese Fragen gestellt? Ist Corona, der Krieg und die Angst, die Bedrohung und die existentielle Unsicherheit nicht auch so etwas wie ein Weckruf? Was ist wirklich wichtig im Leben? Und die Antwort auf diese Frage ist zutiefst individuell. Sind wir aufgerufen aus der Bequemlichkeit der Gewohnheit hinauszutreten und genauer hinzuschauen, was wir als Mensch wirklich brauchen? Ist es das nach „immer mehr“ oder ist es noch etwas ganz anderes?

Ich spüre hier draußen im Nirgendwo diesen großen offenen Raum, in dem ich mich den Fragen öffnen kann, in die Tiefen hinabsteige, um Antworten oder auch nur neue Fragen zu finden. Und das empfinde ich als Glück. Der Philosoph in mir hat hier seinen Platz.

Der Praktiker zeigt sich, wenn ich mit irgendwas umgehen muß. Wie bin ich denn jetzt weiter vorgegangen?
Am Montag fahre ich zu zwei Chinesenmärkten und bei Declathon vorbei. Eine aufblasbares Luftbett ist günstig zu bekommen. Eine starke Taschenlampe wird billigst erstanden. Dann fahre ich die 80km zur Werkstätte. Ich will Brummeli sehen und habe ein wenig Herzklopfen. Ist das Getriebe da oder nicht?

 

 

 

 

 

Jippijeiii, es ist da und sie sind schon kräftig am arbeiten. Ein fetter Hinkelstein poltert krachend auf den Boden. Der erste Schritt getan. Ich kann wieder zurück in mein Brummeli. Dienstag ist er fertig. Rechnungen vom Hotel zu bekommen ist schwierig.

Eine Stunde und einen kleinen Wutausbruch braucht es bis ich einen Ausdruck bekomme. Ich hatte über Booking.com gebucht. Das gleiche mit dem Mietauto. Ich hatte über Expedia gebucht und da auch eine Bestätigung über die Bezahlung bekommen. Der Vermieter selber kann mir keine geben. ADAC muß das akzeptieren.

Also bin ich erst kurz vor eins an der Werkstatt. Brummeli steht draußen. Ich sag dem Meister, ich warte bis drei, wenn die Mittagszeit vorbei ist. Er ist froh um mein Verständnis. Ich räume meine Sachen wieder ein, mach mir meinen Kaffee, koche Reis für abends.

 

 

 

 

 

Der Meister zeigt mir das alte Getriebe und all die Stellen, an denen Öl ausgetreten ist. Nicht nur unten, sondern auch seitlich. So etwas hat er auch noch nicht gesehen, sagt er mir. Normalerweise muß das Getriebeöl nach dreihunderttausend Kilometern gewechselt werden. Ich habe einhundertausend. Er rät mir auch mit Mercedes zu kämpfen. Das Getriebe muß er zurück nach Deutschland schicken. Ich mache noch diverse Fotos, bevor ich mich verabschiede. Fünftausend Euro, mal sehen, was ich davon wiederkriege. Mein Fehler war es jedenfalls nicht, denn in der Sichtprüfung bei der letzten Inspektion war alles ok. Also werde ich mich mal an den Kundenservice wenden, der nächste Schritt.

 

 

 

 

Und so rolle ich zu meinem Platz. Soll ich nach Ostern doch für drei Tage in Bayerbach sein, einen normalen Ölwechsel machen und dann mit meiner Werkstatt direkt reden? Die könnten dann auch schauen, ob alles ok gemacht wurde. Brummeli schnurrt wieder wie eh und je und auch Allrad funktioniert. Auch wenn Griechenland dann noch etwas länger warten muß, erscheint mir das jetzt wichtig.
Ein guter Morgen hier draußen auf meiner Lichtung.

 

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