Auf nach Prapatno

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2.-4.September

Ein blaues Meer schimmert durch die Pinien und blau schimmert es auch durch meine Dachluke, den Deckel habe ich offen. Ja, so ist es, die Sonne  wieder hervor, auch wenn ich nicht immer daran glaube. Nach meinem Morgenkaffee geht’s ins Gwasch …. ja, so haben Fritz und ich das Wasser immer genannt und ich höre dich fast rufen, oh Adria, oh Adria …. Es ist warm, pipiwarm und ich schwimme, lass mich vom Wasser tragen. Das tut gut. Vor mir liegen ein paar Inselchen, verstreut im Wasser, auf einer Landzunge lugt Trogir hervor. Da bin ich also gelandet. Gestern habe ich kaum mehr was gesehen und war froh, einfach unterzuschlupfen. Die Rechnung bekomme ich in der Früh und staune nicht schlecht. Ich hatte nämlich nicht nach dem Preis gefragt. Aber meine gefühlte Sicherheit war mir lieber.
Und dann rolle ich bei Sonne und warmen Wind weiter, weiter Richtung Süden, über Split und Omis Richtung Ston. Prapatno ist mein Ziel, ein Campingplatz in einer kleinen Bucht mit Blick auf Miljet. Anfang der 90er Jahre waren wir hier so oft hier, sind geschwommen, ich zum ersten Mal Boot gefahren und prompt am Elektrohäuschen gegen die Felsen. Ich höre noch den Schrecken in deiner Stimme, aber es passiert nix. Unser kleiner Gummikatermaran übersteht dies stoisch und du übernimmst das Ruder. Trotzdem hast du mich dann oft fahren lassen, damit ich es lerne und zur „Strafe“ plumpse ich irgendwann mal in ein Felsenloch, weil ich eine kleine rote Gummimatte „retten“ wollte. Aus dieser kleinen roten Gummimatte hast du zwei Taschen für das Boot genäht und sie haben uns immer begleitet, denn darin waren Anker und und unsere Thermosflaschen mit Tee verstaut.

P1000154 In Prapatno fahre ich natürlich zuerst ganz nach hinten zu „unserem “ Platz , unsere versteckte Motorhalterung finde ich nicht mehr. Das war noch vor dem Krieg. Ein bisserl vorher finde ich an dem Fluß, der nun scP1000172hön befestigt ist, ein Platzerl und mache mich auf, zu einem Radlausflug. Ich will nach Smokvina, deiner Lieblingsbucht, die dann, nachdem ich sie im Frühjahr noch gesehen hatte, abgebrannt ist. Ich rieche noch den schweren Rauch und sehe die kleinen Rauchfähnchen aus dem Boden steigen. Es war erst ein paar Tage her und wir stiegen von der anderen Seite hoch und wanderten durch eine grauweiße Landschaft mit schwarzen Baumstämmen. Es waren so schöne herrlich grüne, duftende Pinien gewesen. Wie es jetzt wohl ausschaut?
Der Weg ist nicht wirklich radltauglich. Ich fahre, schiebe, fahre wieder ein Stück. Irgendwann verstecke ich es und gehe zu Fuß weiter. Es ist schwül und dicke Gewitter liegen in der Luft. Auf der Hälfte des Weges drehe ich um. Für einen Nachmittagsausflug ist es zu weit. Zuhause gibt es noch einen netten „Ratsch“ mit meinen Campingnachbarn und dann gehts los, wieder mal dicke fette Tropfen auf meinem Womodach. Ich mache es mir innen gemütlich, höre ein tolles Hörbuch … Die Hütte … und geh früh schlafen.

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Wieder  sind graue Wolken am Himmel und ein paar Windboen fetzen durchs Womo. Ich habe alle Fenster offen, es ist so schwül. Das ist kein Bootstag, obwohl doch für heute schönes Wetter angesagt war. Ein Blick ins Internet sagt mir , das der blaue sonnige Himmel sich in Regenwolken mit kleinen gelben Blitzen gewandelt hat. Also marschiere ich mit Rucksack Regencape und Brotzeit los. Über die Berge bis nach Smokvina will ich laufen, ohne Rad, dafür mit guten Schuhen. Nass werden kann ich ja, denke ich mir, es ist doch nicht kalt. Google Maps veranschlagt für die Route 2 Stunden, so um die 8 km,- ein Weg. Und dann kommt die große Überraschung und ich kann es kaum glauben. Nach etwas mehr als der Hälfte wandelt sich dieser steinige, fast zugewachsene Pfad in eine geteerte Straße und sie führt um die ganze Smokvina Bucht herum. Ich kann es gar nicht fassen, eine richtige Straße von Broce um die ganze Bucht herum, die in dem neuen Grün von den neuen Pinien schimmert. Es duftet nach Kräutern, Salbei und Thymian und es duftet nach Pinien und die Grillen veranstalten ein Willkommenskonzert. Oh Latzki, das hätte ich nicht gedacht. Natürlich entdecke ich zwei mögliche Übernachtungsplätze mit Blick auf die Bucht und Miljet. Direkt neben der Straße, die sowieso nur von ein paar Einheimischen befahren  wird.

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Und ich sehe unser Boot, da bei den schwarzen Felsen im Wasser schaukeln. Mit einem noch sehr kleinen Motor sind wir so weit getuckert und ganz stolz zeigst du mir „deine Bucht“.Über den Felsen wachsen große, mächtige Pinien, die auch das Wasser grün schimmern lassen. Früher war diese Bucht nur mit dem Boot erreichbar und so mancher Fischer brachte sein Mädel mit hier her. Das hatte dir Pedro, der Mann von Kate, deiner Hauswirtin, erzählt. Und auch du selbst fandest mal Zuflucht hier, als P1000162die Bora dich erwischte. Das war noch vor meiner Zeit mit dir. Und dann schaue ich hinüber zum „Angstfelsen“. Mit Karin, deiner früheren Urlaubsfreundinn, sitzt du im Boot und ihr laßt euch treiben. Ach, wir sind ja gleich in Miljet. Von der Bora hattest du damals noch wenig Ahnung. Die Sonne scheint heiß herunter, ihr macht Brotzeit auf dem Boot. Und dann legt sie los, diese Bora, dieser ungezügelte Nordwind, der abends einfach nicht auffhören will. Böen fetzen über das Wasser und euer Boot tanzt auf den Wellen, wie eine kleine Nußschale. Es wird schon dämmrig, ein Delfin begleitet euch und du betest, daß das Benzin reicht und Karin hat Angst das der „Fisch“ ins Boot beißt. Und dann kommt der Angstfelsen, um den du herum mußt. Dann bist du in ruhigeren Gewässern und kommst an die Küste. Du hast es geschafft und dabei Ivo, der mit seinem Fischerboot schon nach dir suchte, angefahren. Aber du hast es mit dem letzten Tropfen zurück bis Slano geschafft. Oft hast du mir diese Geschichte erzählt und jedesmal habe ich nochmal ein Stück deine Angst gespürt. Und so habe ich selber viel Respekt vor den Winden und den Wetters hier und gehe kein Risiko ein.

IMG_0188Ich sitze auf den weißen Felsen über dem „schwarzen großen Maul“, nachdem ich barfuß ins Wasser geklettert bin. Die Badeschuhe hatte ich vergessen, gottseidank gibts nur wenig Seeigel hier. Herrliches glasklares türkisschimmerndes Wasser, oh was für ein Genuß! Und dann mache ich Brotzeit und hänge meinen Gedanken nach. Ja und wenn ich nicht zu Fuß gegangen wäre, hätte ich die geteerte Straße nicht entdeckt. Wenn das Wetter wieder besser ist, werde ich hier eine Nacht schlafen. Zuhause lege ich nach einem weiteren Schwimmerli nur noch die Füße hoch. Ab und zu regnet und gewittert es. Ja dieser Jugo, dieser schwülwarme Südwind weht auch drei Tage und dann ….. schauen wir mal.
Abends sitze ich  lange bei meinen Nachbarn Pünktchen, ein Zoologe und seiner Frau. Pünktchen kann sich nach einigen Glaserl Vino so über die zoologische Zeichnungen einer Frau in seinem Fischbestimmungsbuch freuen. Wir lachen herzhaft und ich erfahre, daß er begeisterter Afrikafahrer ist und mit seinem kleinen Allradwomo schon diverse Male die Wüste durchquert hat. Ganz so toll ist es nicht, wirft seine Frau zwischendurch ein, es ist nicht immer nur so schön und unkompliziert einfach, wie du es jetzt gerade erzählst. Und sie staunt über so manche Bemerkungen. Oh ein kleines Wespennest hat sich da aufgetan. Pünktchen mit seiner Sehnsucht nach Weite, Freiheit und Ungebundensein und seine Frau mit dem Wunsch nach Geborgenheit, Eingebundensein und Verwurzelung. Wir lachen trotzdem viel und nach Mitternacht kriecht jeder in seine Koje.

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