Alte Mauern hinter Boujdour

oder vom Weiterziehen und Bleiben…

 

15.1.

Ein kleiner Gral. In der Mitte ein vertrocknetes Wasserloch, ein paar kratzige Arganbüsche, die spitzen Dornen gen Nordost. Ein zerbrochener Tajinedeckel,-  Reste einer Feuerstelle, die Wasserflasche, längst ausgetrunken und dem Sand überlassen. Die Herde ist weitergezogen. Die Morgensonne läßt die Sichel verblassen. Wolken ziehen weiter.

 

 

 

Ich stehe noch. Weiterziehen? Bleiben? Innehalten und Spüren,- es muß nicht immer etwas Neues sein.

 

 

 

Eine kaum sichtbare Spur auf steinigem Wüstengrund. Mauern versinken im Sand und Ruinen murmeln von Menschen, die einst hier wohnten. Längst sind sie weiter gezogen auf ihrer so ganz eigenen Reise. Was hat sie bewegt? Woher kamen sie und wohin gingen sie? Die Steine bewahren ihre Geschichten, die nicht auf Papier geschrieben wurden. Nur ein flüchtiges Raunen erfüllt die Luft. Ich war hier, ich habe gelebt und ich bin wieder gegangen. Ich war glücklich und traurig, ich war laut und leise, ich war ganz einfach da.

 

 

 

Es geht weiter auf holpriger Piste bis zu einem kleinen Sandwall, der in die Weite hineinragt. Dahinter beginnt die tiefe Westsahara, da, wo ich nicht mehr hin darf. Fest abgeriegelt und bewacht mit mehrfachen Wällen und patroulierendem Militär. Ich drehe vorher schon um. Nach Gueltat Zemmur sind es noch 300 km.

Ein kleines Strässchen Richtung Nirgendwo, auf der mein kleiner Gral flüsternd ruft: Bleib!