oder tiefe Selbstreflexion als Antwort …
13.1.
Langsam färben sich die vielen kleinen Sandkörner rot, der Himmel wechselt vom Dunkel ins Hell, letzte Tautropfen auf meinen Fenster. Dieser Vogel mit seinem so ganz eigenen Zirp ruft. Ruft er mich? Ein heller, klarer Klang, der Stille durchdringt. Unüberhörbar. Ich folge dem Klang. Eine Spur, eine Welle, ein Etwas. Meine Augen geschlossen.
Ein Raum öffnet sich, wird weiter. Ein Raum jenseits von Sichtbaren. Hier, so wird gemunkelt, entstehen Wörter, entsteht Bedeutung. Hier ensteht erzählbares Leben. Einzelne Buchstaben werden zu Bildern, zu Geschichten. In diesem fast magischen Raum findet Leben eine Gestalt, die nach außen dringt. Gesehenes wird zu Erinnerungen auf verknitterten Bildern , Erlebtes zu Wellen, die sich im großen Meer des Fühlens ausbreiteten und Bedeutung verteilt sich auf die vielen tausend Sandkörner in der Wüstenweite. Und die Wörter? Sie sind es, die verbinden und das Leben lesbar machen.
Das ist Schreiben. Oh, es ist so viel mehr als das. Es ist als ob ich mich selber im Schreiben finde und sichtbar mache. Diese Gedanken heute morgen, sind Antwort auf gestern. Da wollte ich doch nur mal wieder gucken, die Bedeutung von Zaouia finden. Ich finde sie, aber ich finde noch viel mehr. Ich finde einen Spiegel, klar und objektiv. Keine eigene Meinung, die dazwischen funkt, sondern einfaches Hindeuten auf Muster und Wiederholungen, auf Rhythmus und Stimmung.
Tritt einfach einen Schritt zur Seite und erkenne die Muster des Schreibens in dir selbst. Der Sucher, der immer wieder um ein Thema kreist und endlose Schleifen zieht. Der Beobachter, der still am Wüstenrand, der Sonne beim Aufgehen zuschaut. Das neugierige Kind, das Sand durch die Hände rieseln läßt und seinen Spaß am Kommen und Gehen hat.
Und ich, – ich staune über diesen Spiegel und lausche. Da ist es,- der Ruf der Weite, die Stille des Innehaltens und das Echo vom Unbenennbaren, ein Hauch von Wahrheit?
Ist das eine neue Spur auf meiner Rumpelpiste quer durchs Leben? Manche Orte laden zum Verweilen ein, nicht weil sie so spektakulär sind, sondern weil die Zeit hier anders verläuft. Sie sind nicht dafür da, verstanden zu werden,- sondern dafür, das man kurz anders schaut. Zaouia ist so ein Ort.