Zaouia – eine alte Sufi und Begräbnisstätte

oder die große Ebene, ein See und ein Nomadenfriedhof

 

12.1.

Wäsche-baumelt im Wind, ein lehmiger See, eine zu heisse Quelle und ein Zaouia, ein heiliger Ort weit draußen bevor die große Ebene beginnt. Hatte ich nicht mal gesagt, alle Sträßchen, die ich sonst nie gefahren bin, müssen beguckt sein. Brummeli schnurr!

 

 

 

Erster Halt ist die große weite Ebene bevor die Berge beginnen. Die kleine Straße hinter der heissen Quelle biegt um die Ecke und dann mehr oder weniger quer durch die weiss-sandige Pampas. Weit hinten schimmert es grünlich. Vielleicht ist da noch eine Quelle? Nein, nur die grünen Netze der Absperrung. Kleine schwarze Bewässerungsschläuche sind gelegt und die Arreale viereckig abgegrenzt. Der Versuch, die Wüste zu begrünen? Die Wege hoch aufgekiest und gut befahrbar. Am Ende ein grüner Sumpf. Kraniche kreisen über mir. Ich habe sie aufgescheucht. Vögel zwitschern und die einstmals so kleinen Heuschrecken sind jetzt groß geworden. Ein Viereck wird ausgefahren. Weiter geht es nicht,- sandige weiße Wüste.

 

 

 

Auf halber Strecke ein kleiner malerischer See. Das Wasser türkis-weiss und eiseskalt. Da könnte ich doch meine Wäsche waschen. Also Eimer und Utensilien her und unbedarft hinunter ans Wasser. Mein Schuh bleibt tief im Schlamm stecken. Erstmal alles andere gesichert und dann barfuss den Schuh geholt, der tief im Schlamm steckt. Nix mit Wäsche waschen.

 

 

 

Zurück marschiere ich mit Badeutensilien direkt zum Heisswasserbecken. Die Männer und Zelte sind verschwunden. Es ist schon sehr heiss. Reinkommen täte ich schon, aber auch wieder raus? Nirgends eine Stufe ins Wasser und es ist zu tief, als das ich mich am Rand hochhangeln könnte.

Dann halt nur Füße rein. Auch das ist zu heiss. Ein bißchen weiter vorne an einer kleineren Ecke kann ich bis zu den Knien im schwefeligen Wasser stehen. Das hatte ich mir ein bißchen schöner vorgestellt. Aber wenigstens Waschwasser kann ich aus der Zisterne zapfen. Eine alte Wasserflasche dient als Zapfhahn. Deckel auf und Deckel zu. Improvisation und ich habe drei Kanister voll Wasser und wieder strahlgesäuberte Schuhe. Jetzt müssen sie nur noch trocknen.

 

 

 

Und da gibt es noch das kleine Sträßchen Richtung Zaouia. Ich dachte ja immer, ich wäre es schon gefahren, bin ich aber nicht. Im großen Bogen wendet sie sich auch der großen Ebene zu, bleibt aber davor in den Hügeln stecken. Eine alte Militärstation? Gräber säumen die Hügel, viele Gräber. Eine Art Soldatenfriedhof aus der Zeit der Kämpfe mit der Westsahara? Ich stromere umeinander. Hier konnten sie weit, weit über die Ebene sehen und ich bin noch gefangen in den Gedanken an die Westsahara-Kämpfe. Chatgpt, was bedeutet Zaouia? Ich stehe nicht an einem Kriegerdenkmal, sondern an einem alten spirituellen Zentrum, von denen es viele in der Westsahara gibt. Bedeutende und unbedeutende. Ein heiliger alter Platz mit einem wohlbekannten Gottesfreund,-  hier begraben mit vielen anderen. Ein neuer Blogabsatz entsteht.

 

 

 

Zaouia, – ein heiliger Ort, ein Ort in dem die Geschichte zu Ende erzählt ist. Nur der Wind raunt von Menschen, die hier nahe eines Gottesfreundes ihre letzte Ruhe gefunden haben. Hoch oben, da wo das Wasser nicht hinkommt und der Wind die Sandkörner nicht anhäuft, hoch oben weit sichtbar für jene, die den Ruf hören, haben sie ihre letzte Ruhestätte errichtet. Ein altes Sufizentrum, vielleicht.

Ein heiliger Mensch, ein Wali,  so erzählt das Schild auf der Tür und die Inschrift auf dem Grabstein,  ein ehrsamer Gottesfreund, hatte hier gelehrt. In seiner Nähe mit seinem großen „Baraka“, seiner Segenskraft, wollte man begraben sein. Jeder Stamm, jede Familie begrub auf ihrem Hügel.  Wüstenwanderer, die es verstanden, die Landschaft zu lesen. Sie brauchten kein gps, sondern orientierten sich an den  Formationen der Hügel; am  Wind, der immer von West kam oder am Stein, der wie ein Tier aussah. Sie lesen und lasen die Landschaft, wie so viele der Ureinwohner.  Chatgpt macht mir so einen poetischen Vers, dass ich ihn einfach verwende.

„Ein Ort des Bleibens, der Stille, des Zurücklassens “ 

„Ich stand dort,wo nichts laut ist und doch vieles bleibt. Der Wind wusste die Namen, auch wenn ich sie nicht kannte. Die Hügel trugen Erinnerungen, ohne sie zu erklären. Es war kein Ort des Endes. Eher einer des Ankommens. Still. Weit. Wach. Und für einen Moment gehörte ich dazu.“

 

 

 

Ja, das ist es wohl, was ich hier draußen bei meinen Sandkörnern finde, fernab des normalen Gewusels. – Still, weit, wach und spüren, das eine Geschichte erzählt wird, vielleicht schon so viele Geschichten erzählt wurden, die sich wie Perlen aneinander reihen. Das eine beruht auf dem anderen und das nächste auf dem vorherigen. Und jedes Mal denken wir dies ist es jetzt und dann – einfach wieder nur eine Geschichte.

 

 

 

Ein spannender Tag. Am Ende baumelt meine Wäsche noch fröhlich im Wind und trocknet innerhalb von zwei Stunden. Wüstenklima und ich stehe wieder irgendwo hinter ein paar Kieshaufen, nicht weit weg vom alten Platz. Die Ruhe und die Stille, dieses absolute Ungestörtsein – wie ich das liebe! Wüstengemurmel!

Und vor meinem inneren Auge sehe ich sie drehen, diese Derwische in ihren langen weißen Gewändern, majestisch in ihrer Gottesekstase. Sie drehen sich und der Wind verweht die letzten Sandkörner…!