Die Himmelstreppe bei Goulmima

oder bewachte Kunstwerke in der Nixlandschaft

13.2.

Die Morgenrötre taucht den Himmel in sanfte Orangetöne, der gelbe Mond hinter mir verblaßt und ich steh vor dem kleinen Sanddünenfeld bei der Himmelstreppe. Hier war gestern für mich Schluß, der Sand zu tief, um weiter zu rollen. Also Wanderschuhe an und die zwei, drei Kilometer zur Himmelstreppe einfach zu Fuß in der warmen Nachmittagssonne.

Ein Künstler hat vor Jahren mitten in der Wüste aus Lehm Kunstwerke gebaut, die Himmelstreppe, Stadt des Orion und die Spirale. Gerne hätte ich alle gesehen, aber dieses große sandige Oued ist für mich zu groß und die anderen Kunstwerke zu Fuß zu weit. Da steh ich wieder mittendrin im Nirgendwo. Abends leuchten die Lichter von Guelmima herüber und auch das Feuerchen vom Wächter.

 

 

 

 

 

Das Arreal der Himmelstreppe ist mit Steinen abgegrenzt und der Wächter paßt auf, das man es nicht betritt. „Non, non“ruft es herüber. Früher durfte man das Kunstwerk besteigen, hoch hinauf in den Himmel. Heute ist es verboten, dafür muß man aber nicht mehr umgerechnet 20 Euro Eintritt bezahlen, im Irgendwo, im Draußen, in der Nixlandschaft. Ein kleiner verwitterter Zettel am Eingang informiert. Die Wüste ist frei, sagte mal ein Berber, der mit seinem kleinen Sohn in Ruinen wohnte.

Mein Platzerl ist an der Nebenpiste von der Nebenpiste. Hier kommt keiner vorbei. Weiter vorne, beim Abzweig zur Himmelstreppe eine kleine Nomadensiedlung. Die Frauen waschen gerade am Brunnen. Malerisch. Ich würde sie gerne fotografieren und frage danach. Eine zeigt sofort auf mein Fahrrad und will es. Dann deuten sie mir an, daß sie Geld für das Foto haben wollen. Ich sag 10 Dirham, der Mann in der Nähe sagt 20. Ich winke ab. Hatte ich mir vorher schon überlegt, was ich ihnen schenken könnte, kriegen sie jetzt gar nichts. Ein Brot kostet zwischen 1 und 2 Dirham. Die Vehemenz, wie sie mein Fahrrad fordert ist schon erstaunlich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Rückweg rolle ich einfach vorbei, sie schreit hinterher. Vorher an einem anderen Brunnen kamen die Frauen, um ihre Esel zu tränken. Sie durfte ich fotografieren, auch der Mann, dessen Gesicht mehr oder weniger vom Turban verhüllt ist. Sie gingen einfach ihrem Tagewerk nach. Es gibt halt solche und solche Nomaden.

In der Früh verabschiede ich mich von der Erg Chebbi, diesen wunderbaren goldenen Dünen und meinem geschützten sicherern Platz. Hinter Erfoud, vorbei am Schafs- und Ziegenmarkt beginnt meine Piste, die schnurrig und einfach entlang des Bergrückens führt.

 

 

 

 

 

 

Nur ein kiesiges Oued, ein kleiner Hügel auf dem Nomaden ihre Zelt aufgeschlagen haben und große weite rote Nixlandschaft. Es ist still hier, viel stiller als in der Erg Chebbi, gefühlt ruhiger und nicht so wuselig. Die Himmelstreppe ist auch von Guelmima erreichbar und so fährt hier kaum jemand oder gar keiner.

 

 

 

 

 

Später klappt sogar noch ein schöner Ratsch mit Ully, die leider mit den Portugalplätzen nicht ganz so viel Glück hat. Es wuselt dort, erzählt sie. Zu viele von diesen großen Weißen sind unterwegs und es wird immer schwieriger. Was habe ich es hier gut. Ein Stück Piste und schön öffnet sich irgendwo ein gutes Plätzchen in meiner herrlichen Nixlandschaft. What a life!!!