Aufwachen am Fluß Warta

und ein altes Zistenzienserkloster bei Lubiac

18.8.

Leichte Nebelschwaden über dem Fluß. Die Sonne erhebt sich majestätisch aus dem Wasser und verschwindet gleich wieder hinter dem Weiß der luftigen Wassertröpfchen. Der Fluß fließt träge und in der Ferne höre ich das leise Rauschen der Welt, die langsam erwacht und ihr Tagewerk beginnt. Auch ich hänge noch ein bißerl meinen Träumen nach, bevor ich wieder langsam in diese Welt eintauche.

 

 

 

 

 

Ein schöner Morgen und so tiefe Gedanken wandern in mir umeinander. Oh – wie ich das liebe, wenn Wahrheiten an meine Tür klopfen und um Einlass bitten. Ein Kloster lag gestern auf meinem Weg, ein altes Zisterzienserkloster. Ein riesiger Bau mit vielen Fenstern, die in die Welt hinausschauen oder in die Einsamkeit der Mönche hineinschauen auf ihrer Suche nach Wahrheit. Ihre Gebete und ihre Hoffnungen klangen weit übers Land. Was sie fanden, weiß ich nicht.

 

 

 

 

 

Auf Tafeln steht nur die Geschichte geschrieben, die von Besitz und Reichtum von Macht und Beziehungen erzählen. Der König und jener Fürst, der Papst und ein anderer Abt, die Machenschaften und immer wieder der Wunsch nach noch mehr Reichtum. Haben die Äbte damals ihre Seelen verkauft? War ihnen Geld und Macht wichtiger als das wirkliche Seelenheil? Die Geschichte der Kirche ist so voll von Intrigen, Machenschaften und letztlich den Verstrickungen in der schnöden Welt.

Haben sie Gott benützt, um den Menschen zu gängeln, klein zu halten, um ihn für die eigenen Zwecke zu benützen?

 

 

 

 

 

Es gibt Heilige und Seher, die weiter schauten, vielleicht durchschauten, aber so oft verbannt wurden, weil sie eben nicht in das gesellschaftliche Bild von Kirche paßten. Glaube, Weltanschauung und Kirche sind so zwei paar verschiedene Schuhe. Ersters macht sich auf die wirkliche Suche und zweiteres will nur mehr!

Die zerbrochene Scheibe der Ruinen, die verrammelte Tür, vermodernde Steine und daneben eine prunkvolle, mit Gold ausgetattete Kirche, die den Menschen den Weg weisen will. Wohin nur? Zu mehr Demut und Gehorsam, zu mehr Arbeit und Dienerschaft? Was lehrt uns denn diese Kirche, die auch hier in Polen so überdeutlich ist? Ist es nicht so oft eine große Verherrlichung des Leidens, der Schuld und daraus folgend des Brav-seins und nicht Aufmuckens. Die wirklichen Mystiker – waren sie letztlich nicht die Rebellen weit draußen irgendwo? Wo finden wir wirklich Wahrheit – wo finden wir wirkliche innere Führung? Immer wieder denke ich an Platons Höhlengleichnis:

Die Welt in der wir leben ein Schattenwurf auf der Höhlenwand?

 

 

 

 

 

Die Wirklichkeit ist draußen im Licht in der Sonne. Ist unser Menschsein – ist unser Leben letztlich nur eine Erscheinungsform? Ist die Wahrheit innerhalb der Seifenblase? Und spielt sich unser Leben nur auf dieser hauchdünnen Membran ab? Unser Denken und Fühlen, unser Suchen nach Wahrheit ist all dies nur Teil dieser Erscheinungsform, der sichtbaren Schatten auf der Höhlenwand? Nur eine leise Berührung und diese Seifenblase zerplatzt in die Leere des Raumes oder verliert sich in der Schwärze der Wand. Dann verliert Denken und Fühlen, Hoffen und Suchen seine Bedeutung, weil man aus dem Traum der Erscheinungswelt aufwacht.

 

Was für spannende Gedanken heute morgen.

Das kommt davon wenn du dir Klöster anguckst, grinst da frech mein Seelechen.