Auf Schotterpisten am Rande der Karpaten

oder einfach der Nase nach…

 

19.6.

Ein schöner Morgen, – die Schafsglocken klingen melodisch vom Tal herauf bis sie oben bei mir ankommen. Der Hirte lacht freundlich. Ich sitze schon draußen mit meinem Kaffee. Zwei große Womos stehen im gebührenden Abstand. Die einen ein Päarchen, das eineinhalb Jahre mit ihrem „Truck“ unterwegs war und jetzt wieder arbeiten muss. Georgien, Armenien, Tunesien … hat ihnen sehr gut dort gefallen. Auch sie sagen, die Türkei war nicht ihr Land. Was schleppen sie alles umeinander? So schwer beladen kommen sie daher. Der andere ein Weißes hat auch noch Kisten auf dem Dach. Die beiden gurken durch Europa. Sie fahren wohl gerade eine zeitlang zusammen.

 

 

 

 

 

Ich frage mich, wieviel Kram braucht man wirklich? Was schleppe ich noch umeinander und brauche es doch nie? In Bayerbach wird nochmal gründlich ausgemistet. Sie haben irgendeinen steilen Weg herauf genommen und schafften es nur mit Untersetzung. Ich erzähl ihnen von meinem einfachen Weg. Wir ratschen kurz, bevor ich mich ans Ende des Platzes verziehe.

 

 

 

 

 

Die Devise des heutigen Tages war einfach, nämlich der Nase nach auf kleinsten Rumpelpisten, abseits der großen Strassen durch grünes bergiges Land. Den Bucegi-Berg lasse ich links liegen, ein andermal. Zu weit müßte ich schon nach Westen und ich will doch im Osten hochfahren, an dem sog. Karpatenbogen. Also nicht oben rüber, sondern auf halber Höhe herumgeschlängelt. Und vor allem habe ich keine Lust auf großen Straßen „durchzubrettern“ nur um an begehrten Tourizielen im Gänsemarsch die Sphinksformation zu bewundern. Es gäbe schöne andere Wanderungen auf diesem Hochplateau, ein anderes Mal, wenn es auf dem Weg liegt.

 

 

 

 

 

Erster Halt ist der dritte Schlammvulkan, eingebettet in grünen Hügeln. Auch hier blubbert und gluckst es. Der Schlamm zaubert kleine Skulpturen. Es ist wie Zinngießen. Was sehen wir darin – was kommt zum Vorschein. Die Phantasie hat mal wieder Hochkonjunktur.

Brummeli rumpelt brav über die steinig-kiesige Pisten, mal schön breit, dann wieder enger. Mal in weiterem Land und dann auf schmalen Pfad den Berg hinauf. Vorbei an alten Bauernhäusern, an denen das Heu noch im Freien trocknet.

 

 

 

 

 

Über Pacele zum Vulcani Fierbatorile. Über Nicolesti bis Lopatari und die Piste hinauf zum See Mocearu. Brummeli muß sich schon ein bißchen anstrengen. Mein angedachter Platz ist jetzt Holzplatz geworden und nicht mehr so lauschig. Auch unten am See sind schon die jugendlichen Seegenießer und kaum Platz.

Ich folge der Nase und denke, die einfache kleine und vor allem schmale Asphaltstraße wird mich schon in die richtige Ecke bringen. Navi krächzt immer wieder rechts abbiegen auf Pisten, die nicht wirklich vertrauenswürdig ausschauen.

 

 

 

 

 

Letztlich muß ich doch alles wieder zurück, auf die große Piste und dann nach hier oben abbiegen. Die Sonne verabschiedet sich hinter dem Berg. Noch ein paar Hunde die vom Dorf hinauf bellen und dann ist es muckmäuschen still. Ich habe alle Fenster auf – Hochsommer!

Hier am Rande der Karpaten, am Rande der Touriwelt ist die Zeit ein wenig stehen geblieben, genau das Richtige für mich.