oder Rückblick, Ausblick und Innenblick…
31.8.
Zurück in Ungarn. Da sitze ich draußen am Feldrand, die Sonne scheint nur verschleiert zu mir her. Ein guter Platz nahe der Theiss, die ich aber nicht sehe. Direkt am Ufer hausen Angler und Wochenendausflügler. Es herrscht geschäftiges Treiben. Also die Piste in die andere Richtung und ein Feldplatz vor mich. Herrlich! Noch ein kleiner Sparziergang am Abend durch den dichten Wald mit seinen umgefallenen Bäumen. Ans Ufer komme ich nicht, also gehts über den Feldweg wieder zurück. Darum ist hier kein Menschlein.
Innerlich lasse ich heute morgen die Rumänienzeit Revue passieren. Dieser Kurztrip kommt mir vor wie eine kleine Ewigkeit. Gefühlt bin ich mindestens einen Monat unterwegs – in Rumänien war ich aber nur zwei Wochen. Ich staune gerade. Mal wieder bin ich tief eingetaucht in das Jetzt des Unterwegs-Seins.
Von Tag zu Tag umeinanderstromern,- einfach dem Moment folgen, der mich hier oder dahin führt, mir dies oder jenes anvertraut und mich immer wieder ins Staunen versetzt, wenn ich abends auf einem herrlichen Platz lande. Trotz Ferienzeit finde ich meine Stille und Ruhe, die so wichtig für mich geworden ist. Das Universum meint es so gut mit mir!
Da meine Knie noch etwas spinnen, sind meine Wanderungen kleiner geworden, aber die Schönheit des Entdeckens, die Neugier in Höhlen zu kriechen oder Trampelpfade zu erforschen, ist geblieben. In der Natur, möglichst weit weg von irgendwas, ja in dieser Natur bin ich zuhause. Für mich ist es einfach nur heilsam und unendlich gut. Dort tauche ich tief ein ins Seelchen, wandere auf seinen verschlungen Pfaden, nehm kleine Wegweiser wahr, die mich irgendwo hinbringen. Ich sehe zwar Zeichen, kann sie aber so manches Mal nicht lesen.
Innerlich betrete ich oft Neuland und fühle mich wie ein Pionier im eigenen Wesen. Was ist das, was entdeckt werden will? Mein tiefstes Inneres, mein wahres Wesen, der oder die, die ich wirklich bin?
Wieviele Hüllen muß ich als Hüllen erkennen, um dem Ursprung nahe zu kommen?
Ist diese natürliche Stille, in der ich mich so geborgen fühle, die Resonanz zu dem Platz, an dem tief innen mein Seelchen haust? Sind diese Naturplätze Spiegel für das Natürliche in mir, für das Ursprüngliche? Ja, das ist so. Keine Spinnerei, sondern Notwendigkeit auf meinem ganz eigenem Weg.
Ich glaube, ich komm mal wieder mit einem riesigen inneren Schatz zurück. Nicht nur mit meinem Goldstaubstein, sondern auch mit einer so leisen Ahnung von dem Dahinter. Meine Naturreisen sind einfach nur Spiegelungen von den inneren verschlungen Pfaden, die wir alle gehen, mehr oder weniger bewußt. Nichts ist da nur rein zufällig. Je bewußter wir die Welt erkennen, als das was sie ist, je bewußter wir uns selbst erkennen, als das was wir sind, desto eher kommen wir dem Traum nahe, der sich Leben nennt. Und dahinter – das große Lachen?
Als mein Mann starb hatte ich genau dieses Gefühl und fragte ihn: Lachst du jetzt? Lachst du über all die Dramen und Verstrickungen, die Bindungen, die Wünsche und die Hoffnungen, die Sorgen und die Nöte, die wie Seifenblasen sich einfach in Nichts auflösen. In dem Dahinter verliert so vieles, vielleicht auch alles, einfach seine Bedeutung und Wichtigkeit. Wenn wir aus dem Traum aufwachen…..!
Genug für heute und auch wenn Leben eigentlich, ganz eigentlich ein Traum ist, fordert es seine Notwendigkeiten. Es gibt immer noch ein paar Dinge zu tun, die ich immer wieder so herrlich vor mir herschiebe, und ein paar Termine einzuhalten, bevor es auf meine Winterreise geht.
Also los, Brummeli schnurr zurück, zurück in diese „Niederungen“ des normalen Lebens und seiner Aufgaben.