Puriri-Bay

P1100750über Rawithi und Russel zurück

zur Puriri Bay,

 

…… tiefere Gedanken

 

 

7.4.

 
Frühstücken in der Bland-Bay, Gucken in Rawhiti, zu faul sein für einen sechs-Stunden Marsch zum Brettl, im Nest der Schönen, Reichen und Touris, namens Russel den Berg besteigen, eine schöne Aussicht geniessen und beschließen wieder in Puriri zu übernachten.
Das ist die Kurzform.

 

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Rawhiti ist eine schmale Landzunge und sie macht einen recht ärmlichen Eindruck. Ein paar Kids lungern rum, die Häuser sind kleine Bruchbuden und ein kleines Marae lädt zum Verweilen ein. Landschaftlich schön, aber gefühlt nicht sicher. Vielleicht bin ich beeinflußt von den Schildern am Straßenrand, sein Auto nicht einfach stehen zu lassen, vor allem nicht unabgeschlossen. Beware of thefts. Uuups…. am Ende der Straße drehe ich um und rolle wieder zurück. Nein, irgendwie möchte ich hier nicht bleiben. Russel ist dann genau das Gegenteil. Hier haben die Schönen und Reichen ihre Villen auf Hügeln mit Blick über die weit verzweigte Bay of Islands. Dazu liegen natürlich große weiße Yachten im Hafen, ein paar Segler draußen. Zwei Welten, die hier aufeinander prasseln. Ich denke an die Kids vom Hasenbergl in München und Grünwald. Irgendwer hatte mir mal von dieser großen Schere zwischen arm und reich hier in Neuseeland erzählt. Letztlich sind doch die Probleme und Problemchen in unserer Welt immer wieder gleich. Ich habe keine Lust in irgendetwas hinein zu geraten. Das hier ist keine Gegend zum Freistehen. Es wird sowieso immer problematischer. An den wirklich schönen Stellen ist Camping und Overnighting verboten und an anderen Plätzen treibt sich abends dann manchmal die Jugend herum mit wilder Autoraserei. Kleine Straßen sind so häufig mit vielen schwarzen Bremsspuren gezeichnet.

 

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Da fühle ich mich in meinem hintersten Eck in der Puriri Bay doch viel, viel wohler und 50km zurückfahren ist nicht so viel.
Und da sitze ich gemütlich an der leise vor sich hin plätschernden Bucht und meine Gedanken wandern.
Ab und zu mache ich schon ein kleines Resümee von dieser Reise, von diesem Neuseeland.
Es ist schon spannend — letztes Mal war ich hier und hatte den Eindruck, ein Land voller unbegrenzter Möglichkeiten und ich bin eingetaucht in Zauberwald und Märchensee. Alles war spannend, machbar und herrlich aufregend neu und anregend.

 

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Und diesmal: wenn ich so in mich hineinhöre, nehme ich viel mehr die Begrenzung wahr und das eben nicht einfach alles nur so machbar ist. Ich habe viel öfters meine Ängste gespürt und bin ja auch mit diversen Geschichten konfrontiert gewesen. Das Wetter war eben nicht nur schön, das Auto nicht nur zuverlässig und das Boot für hier nicht wirklich passend. Wenn ich los paddele bin ich so gewöhnt, drei vier fünf Stunden draußen zu sein. Und das geht hier nicht so einfach, Wind, Wetter und Gezeiten müssen berücksichtigt werden und sind unberechenbarer als bei uns. Hier in den geschützten Buchten schaut es total passabel aus, aber einmal um die Ecke können schon ganz andere Winde und Strömungen herrschen und das hat mich doch ganz schön verunsichert. Selbst beim Schwimmen bin ich mehr parallel zum Strand geschwommen, als hinaus.

Neuseeland ist halt doch irgendwie noch ganz anders. Nach dem ersten „Verliebtheitszauber“ folgt ein wenig die Ernüchterung …. auch hier wird nur mit Wasser gekocht und jetzt beim zweiten Mal habe ich viel öfters die Parallelen zu europäischen Landschaften gesehen,auch zu den Umweltproblemen. Irgendwer hat mir erzählt, Christchurch ist die einzigste Stadt, die noch unbehandeltes Wasser hat. Sonst muß alles behandelt werden, weil hier sehr großzügig mit Unkrautvertilgern gearbeitet wird. Das hatten wir doch auch. So manches Mal bin ich einem Sprayauto begegnet und habe die abgestorbenen Wälder gesehen, die von der Luft aus „behandelt“ wurden. Daneben gibt es die große Naturschutzbehörde Doc, die versucht Parks zu erhalten. Mein Eindruck ist, dass sehr häufig zur Giftspritze gegriffen wird.Die Riesenfarmen, die ihr Land „besprenkeln“ tragen auch viel dazu bei.
Der größte Reichtum Neuseelands besteht wohl mittlerweile in seiner vielfältigen, unberührten – noch unberührten – Natur, die den Touris nahe gebracht wird. Damit kann man Geld verdienen und so wird jedes erdenkliche Abenteuer touristisch ausgeschlachtet und der Natur aufgedrückt. Das hinterläßt Spuren, nicht nur im Sand.
Ich habe dieses Mal den Eindruck, alles ist teurer geworden und für Camper gibt es immer weniger sichere freie Plätze, vor allem auf der Nordinsel. Und die großen Campingplätze sind halt wie so viele andere Campingplätze,- laut, hell, eng und unlauschig. Mit den älteren Kiwis bin ich häufig sehr gut in Kontakt gekommen und es waren oft sehr nette und interessante Gespräche, auch am Wegesrand.Des öfteren bin ich gefragt worden, ob ich hier lebe. Und viele haben mir gesagt, ich hätte sehr viel mehr gesehen, als viele der Einheimischen. Naja, bei fast einem halben Jahr Neuseeland ist das auch kein Wunder.
Und so habe ich das Gefühl, ich bin wieder ein Stück realistischer geworden. Und egal, ob weit weg oder näher daheim, letztlich schaue ich doch immer wieder in den großen Spiegel und kann darin entdecken, was mich innerlich umtreibt.
Es läuft nicht immer genauso wie ich das will und das ist für mich eine Möglichkeit zu lernen, mit dem umzugehen was kommt und mich, dem Leben anzupassen und nicht das Leben zwingen, sich mir anzupassen. Große Worte, die bei der Umsetzung so manchen tiefen Schnaufer brauchte.
Hatte ich nicht am Anfang mal gedacht, meine Reise ist so eine Art Pilgern auf neuseeländisch – nicht alles zu Fuß gehen, aber jeden Tag unterwegs sein mit sich selbst.
Es ist noch zu früh, für meine „Erkenntnisss“, die so eine „Pilgerreise“ mit sich bringt, aber ich bin auf dem Weg dorthin.

 

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In diesem Sinne lasse ich für heute einfach die Natur sprechen mit einem lauschigen Sonnenuntergang.

GPS: S 35° 12′ 49“ E 174° 21′ 32“

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